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// Hinter den Kulissen. Ein Foto und die Geschichte dahinter!

Schwarzweißaufnahme des Yosemite-Tals von Carleton Watkins, mit einer schlanken Kiefer im Vordergrund und Felswänden in der Ferne.

Fotogeschichte #18 – Carleton Watkins: der Blick auf das Yosemite-Tal

Autorenbild: Bánhalmi Norbert
Bánhalmi Norbert
vor 4 Tagen
3 Min. Lesezeit
Schwarzweißaufnahme des Yosemite-Tals von Carleton Watkins, mit einer schlanken Kiefer im Vordergrund und Felswänden in der Ferne.
Carleton E. Watkins: Yosemite Valley from the Best General View, 1866. Albuminsilberabzug, The J. Paul Getty Museum, 85.XM.11.3. Gemeinfrei; Getty Open Content, Reproduktion über Wikimedia Commons.

Eine schlanke Kiefer steht im Vordergrund. Dahinter staffeln sich die Felswände des Yosemite-Tals. Nahe der Bildmitte ist ein kleiner Wasserfall zu erkennen. Der weite Himmel hält die Landschaft zusammen. Unser Blick bleibt zunächst am Baum hängen und wandert dann in die Tiefe des Tals.

Die Aufnahme heißt Yosemite Valley from the Best General View. Das Getty Museum datiert sie auf 1866. Schon der Titel enthält eine Entscheidung: Von hier aus soll man das Tal am besten sehen. Aber wer bestimmt das? Die Kamera sucht sich ihren Standort nicht selbst.

Der Baum lenkt den Blick

Die Kiefer steht als senkrechte Linie vor den breiten Bergzügen. Ihr Stamm beginnt am unteren Bildrand; die Baumspitze liegt außerhalb des Ausschnitts. Wenn du den Baum abdeckst, wirkt die ganze Komposition anders. Dem Auge fehlt ein wichtiger Ausgangspunkt.

Laut Getty hat Watkins seinen Standpunkt sorgfältig gewählt. Yosemite Falls erscheint klein, liegt aber nahe der Bildmitte. Der Bildausschnitt hilft uns, die Tiefe der Landschaft zu erkennen.

Warum gerade dieser Ort?

Die Aussicht lag am Mariposa Trail, nahe dem heutigen Old Inspiration Point. Das Museum of Fine Arts in Houston beschreibt eine verwandte Aufnahme von einem Standort fast dreitausend Fuß über dem Tal. Von dort lassen sich mehrere bekannte Felsformationen und Wasserfälle zugleich zeigen.

Die „beste Aussicht“ ist kein neutraler Messwert. Watkins hat eine Stelle gewählt, von der aus das Tal für entfernte Betrachter verständlich wird. Der Ort bleibt derselbe; wie wir ihn wahrnehmen, hängt vom Bildaufbau ab.

Eine Dunkelkammer in den Bergen

Das Werk ist ein Albuminsilberabzug, gedruckt auf mit Eiweiß beschichtetem Papier und mit Silbersalzen. Die Vorlage war ein Glasnegativ. Beim nassen Kollodiumverfahren musste die Glasplatte vor Ort vorbereitet, belichtet und noch im feuchten Zustand entwickelt werden.

Nach Angaben des Getty transportierten sechs Maultiere rund zweitausend Pfund Ausrüstung. Wasser, Glasplatten, Chemikalien und eine mobile Dunkelkammer mussten in die Berge. Die Arbeit an dieser Fotografie begann lange vor dem eigentlichen Auslösen.

Die Jahreszahlen dürfen nicht verschwimmen

Watkins fotografierte Yosemite bereits 1861. Frühere Aufnahmen machten die Landschaft vielen Menschen bekannt und trugen zum öffentlichen Interesse an ihrem Schutz bei. Abraham Lincoln unterzeichnete am 30. Juni 1864 den Yosemite Grant. Das Gesetz stellte Yosemite Valley und Mariposa Grove für die öffentliche Nutzung unter die Obhut Kaliforniens.

Die hier gezeigte Getty-Fotografie wird auf 1866 datiert. Sie kann daher nicht unmittelbar die Entscheidung von 1864 ausgelöst haben. Die Bedeutung der älteren Aufnahmen bleibt bestehen; die zeitliche Reihenfolge muss aber stimmen.

Die Menschen außerhalb des Rahmens

Das Tal wirkt beinahe unbewohnt. Doch daraus folgt nicht, dass es keine Geschichte seiner Bewohner gibt. Ahwahneechee und andere indigene Gemeinschaften lebten schon lange vor Watkins in dieser Region. Der National Park Service dokumentiert die Vertreibung von Menschen und die Zerstörung von Dörfern und Vorräten im Jahr 1851.

Ein Landschaftsbild kann diese Geschichte ausblenden, ohne dass wir daraus eine Absicht des Fotografen ableiten dürfen. Es zeigt uns einen Standort und einen Augenblick, nicht die ganze Vergangenheit. Dafür brauchen wir historische Quellen und die Perspektiven der Menschen vor Ort.

Der Himmel aus einem zweiten Negativ

Das Getty Museum berichtet, dass Watkins die Wolken aus einem zweiten Negativ ergänzte. Diese Angabe stammt aus der Dokumentation des Werks; die Bearbeitung lässt sich nicht allein aus dem Aussehen des Abzugs sicher rekonstruieren. Auch frühe Landschaftsfotografie konnte aus mehreren Arbeitsschritten bestehen.

In Fotogeschichte #15 ging es bei Gustave Le Gray um eine ähnliche Technik. Bei Watkins ist die Frage des gewählten Standpunkts besonders wichtig: Wie ordnet eine Fotografie einen großen Raum für unseren Blick?

Der gewählte Standpunkt erzählt eine mögliche Geschichte eines Ortes. Was außerhalb des Bildrahmens liegt, bleibt Teil der Wirklichkeit.

Noch einmal genau hinsehen

Betrachte zuerst die Kiefer, dann die Felsen und Wasserfälle, zuletzt den Himmel. Mit jedem Schritt verändert sich der Maßstab. Watkins hat eine riesige Landschaft in eine gut lesbare Komposition gebracht.

Ergänzen wir das Entstehungsjahr, die aufwendige Technik, das Schutzgesetz und die Geschichte indigener Gemeinschaften. Das Bild verliert dadurch nichts von seiner Wirkung. Unsere Sicht auf den Ort wird genauer.

Quellen und Bildrechte

Carleton E. Watkins: Yosemite Valley from the Best General View, 1866. Albuminsilberabzug, The J. Paul Getty Museum, 85.XM.11.3. Das Metropolitan Museum datiert einen anderen Abzug ungefähr auf 1865. Hier gilt die Datierung des reproduzierten Getty-Objekts.

Die Reproduktion ist über Getty Open Content und Wikimedia Commons als gemeinfrei gekennzeichnet. Das historische Bild wurde weder koloriert noch generativ verändert. Die folgenden Links nennen das Werk, die Rechte und die historischen Quellen.

 
 
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