Was macht einen guten Fotografen aus? Gibt es überhaupt den besten Fotografen?
- Bánhalmi Norbert

- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 9 Stunden

Ich möchte versuchen, diese heute sehr häufig gestellte Frage aus meiner eigenen Sicht in Worte zu fassen.
Mit der rasanten Entwicklung digitaler Technik sind Kameras und andere Werkzeuge der Bildgestaltung praktisch für jeden zugänglich geworden.
Unzählige Menschen erschaffen jeden Tag Bilder — manchmal bewusst komponiert, sehr häufig einfach aus dem Instinkt heraus.
Fotografie ist ein wunderschönes Hobby.
Mit Bildern können wir Gefühle, Gedanken und Eindrücke festhalten und mit anderen teilen.
Im Zeitalter hochautomatisierter Kameras müssen wir nicht mehr zwingend jedes technische Detail beherrschen.
Oft genügt es, ein Motiv zu sehen, auszulösen und es sichtbar zu machen.
Viele Menschen fotografieren nur aus Leidenschaft und schaffen trotzdem großartige Arbeiten — teilweise sogar mit dem Smartphone.
Deshalb glaube ich:
Heute kann praktisch jeder ein guter Fotograf werden.
Sogar in einem bestimmten Bereich der Beste.
Vorausgesetzt, er schafft es, seine eigene Welt zu verlassen und in die Welt des Motivs einzutreten.
Dafür braucht es emotionale Intelligenz.
Und Demut.
Was meine ich damit?
Stellt euch eine Wiese vor.
In ihrer Mitte steht ein Haus ohne Fenster.
Nur eine Tür.
Diese Tür ist momentan geschlossen.
Im Haus bist du.
Dort hast du deine eigene kleine Welt eingerichtet.
Wenn Ordnung herrscht, herrscht Ordnung.
Wenn Chaos herrscht, ist es eben chaotisch.
Dieser Innenraum ist deine seelische Welt.
Obwohl die Wiese um dich herum liegt, siehst du sie nicht.
Du siehst nur das, was sich im Haus befindet.
Du weißt zwar, dass draußen eine andere Welt existiert.
Doch du kannst sie nicht wirklich erzählen, weil du sie nicht wahrnimmst.
Dann öffnest du die Tür.
Plötzlich siehst du, was draußen liegt.
Die meisten Menschen fotografieren die Außenwelt genau von diesem Punkt aus:
Aus dem Blickwinkel ihrer eigenen Welt.
Doch wenn wir darüber nachdenken, bleibt unsere Sicht eingeschränkt.
Der Türrahmen setzt Grenzen.
Das sind die bewussten Gestalter, die einen Schritt auf das Motiv zugehen, die Welt aber weiterhin durch ihre eigene Perspektive zeigen.
Wenn wir wirklich spürbar machen wollen, was draußen existiert, müssen wir das Haus verlassen.
Weg von der Sicherheit.

Hinein in die Unsicherheit.
Draußen öffnet sich die Welt.
Wir fühlen den Wind auf der Haut.
Riechen die Blumen.
Spüren die Weichheit des Grases unter den Füßen.
In jede Richtung erleben wir eine andere Welt.
Erst dann können wir ein Bild schaffen, das beim Betrachter etwas Ähnliches auslöst wie die Situation in uns selbst.
Denn wir sind in die Welt des Motivs eingetreten.
Nun können wir unmittelbar zeigen, was wir fühlen.
Ein guter Fotograf ist deshalb gut, weil er zulässt, dass das Motiv etwas mit ihm macht.
Er lässt sich davon mitnehmen.
Und gibt anschließend wie klares Glas ohne unnötige Verzerrung weiter, was dort tatsächlich passiert.
So würde ich beschreiben, was für mich einen guten Fotografen ausmacht.
Die besten Fotografen sind für mich diejenigen, die gar nicht krampfhaft Fotografen sein wollen.
Sie existieren einfach.
Sie sehen mit ihrer Seele.
Und lassen andere dadurch sehen.
Mit ihrer Sichtweise hinterlassen sie Tag für Tag etwas wirklich Wertvolles für kommende Generationen.
Die im Artikel verwendeten Bilder sind NICHT meine eigenen Arbeiten.
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