Was ist das Geheimnis des Erfolgs? Ein Gespräch mit einer Ballerina
- Bánhalmi Norbert

- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 9 Stunden
Gestern habe ich Mikayla fotografiert.
Sie ist 21 Jahre alt, US-Amerikanerin und möchte professionelle Tänzerin und Model werden.
Seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr lebt sie im Internat beziehungsweise Studentenwohnheim und wird im kommenden Jahr ihre Ausbildung abschließen.
Vor jedem Shooting spreche ich zuerst mit der Person vor meiner Kamera — und für mich ist jeder ein Model, sobald er vor meine Kamera tritt.
Wir sprachen darüber, welche Art und welchen Stil von Bildern sie sich vorstellt, was sie vom Shooting erwartet, welche Ziele sie mit den Fotos verfolgt und schließlich darüber, warum sie ihre Ideen ausgerechnet mit mir umsetzen möchte.
Unser Gespräch wurde überraschend lehrreich.
Mikayla erlaubte mir, einen Teil davon mit euch zu teilen.
New York gilt als Stadt der Träume.
Theoretisch kann hier jeder seine Chance finden.
So sehen wir es in Filmen.
So erzählt Amerika sich selbst der Welt.
Die Wirklichkeit ist jedoch:
Wer hier wirklich Erfolg haben möchte, muss oft ein Vielfaches dessen leisten, was in vielen anderen Großstädten nötig wäre.
Mikayla lernt bei einer sehr guten Tanzlehrerin.
Sie arbeitet hart.
Trotzdem erlebt sie bei Proben jeden Tag Menschen, die scheinbar noch talentierter sind.
Das kann am Selbstvertrauen nagen.
Und diese Unsicherheit prägt ungewollt den Alltag.
Junge Menschen können zu Maschinen werden, die nur noch auf ihr Ziel zumarschieren und dabei ihre Jugend kaum erleben.
Oder sie gehen ins andere Extrem, leben alles übermäßig intensiv und brennen aus.
Es war spannend, ihren Ambitionen zuzuhören.
Trotz dieses Drucks glaubt sie daran, eines Tages eine Tänzerin sein zu können, die vor großem Publikum auftritt, Menschen begeistert und Fans gewinnt.
Interessant ist:
Zwischen ihr und der jungen Frau aus meinem vorherigen Blogbeitrag gibt es keinen direkten Zusammenhang.
Trotzdem scheint es logisch, dass jemand, der als Tänzerin den eigenen Körper und die Mimik gut beherrscht, auch eine Modelkarriere ausprobieren möchte.
Ich kann diesen Wunsch sehr gut verstehen.
Was mir hier besonders auffällt:
Kaum jemand sagt einem anderen sofort:
„Du bist untalentiert. Lass es.“
Stattdessen wird häufig zuerst hervorgehoben, was jemand gut macht.
Zu Hause läuft es oft genau andersherum.
Wir beginnen damit, zu erklären, was der andere verbessern sollte.
Und vergessen das Lob.
Dabei kann genau dieses Lob die Kraft geben, sich weiterzuentwickeln.
Auch ich tappe manchmal in diese Falle.
Ich versuche, daran zu arbeiten.
Was man hier unbedingt braucht, ist Glaube an sich selbst.
Für eine einzige Position können in dieser Stadt zehn-, zwanzig- oder sogar fünfzigmal so viele Menschen antreten wie anderswo.
Doch Glaube allein reicht nicht.
Im Gespräch erklärte Mikayla, was sie für ihr eigenes Geheimnis hält:
Sie glaubt herausgefunden zu haben, was sie einzigartig macht.
Was sie von anderen unterscheidet.
Und genau das hebt sie bewusst hervor.
Im Tanz.
Und im Alltag.
Der Fokus liegt auf ihrer Besonderheit.
Dadurch nehmen Menschen zuerst ihre Individualität wahr.
Damit gab sie mir meine eigene Aufgabe.
Wenn genau diese Besonderheit entscheidend ist, musste ich sie innerhalb von ungefähr zwei Stunden an einer gemieteten Location erkennen und in den Bildern sichtbar machen.
Zum Glück war ich damit nicht vollkommen allein.
Ihre Mutter war ebenfalls dabei und erklärte sofort stolz, was ihre Tochter aus ihrer Sicht besonders macht.
Solange Mikayla ihre Ausbildung nicht abgeschlossen hat, kann sie ihre Modelkarriere noch nicht vollständig beginnen.
Aber an das Konzept, das sie für sich entwickelt hat, glaubt sie sehr stark.
Auf meine letzte Frage — warum sie ihr Portfolio gerade mit mir umsetzen wollte — antwortete sie ganz einfach:
Sie hatte meine Referenzbilder gesehen und das Gefühl, genau diesen Stil zu suchen.
Wenn es möglich ist, retuschiere ich die Bilder direkt gemeinsam mit dem Model.
So entstanden die Aufnahmen unten.
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