Ohne Filter – Die Geschichte meines Körpers | Judit
- Judit (32)

- vor 4 Tagen
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Aktualisiert: vor 9 Stunden
Wenn es um das Erleben meiner Weiblichkeit geht, würde ich mich als Spätentwicklerin bezeichnen.
In manchen Bereichen des Lebens dachte ich schon sehr reif.
Doch wirklich zu spüren, dass ich eine FRAU bin — das kam deutlich später.
Lange suchte ich nach mir selbst und nach meinem Stil.
Als nicht mehr meine Mutter bestimmte, was ich anziehen sollte, durchlief auch ich verschiedene Modephasen:
zuerst Skaterin, danach Rockerin.
Über Jahre kleidete ich mich eher jungenhaft und trug weite T-Shirts.
Ein Grund dafür war, dass mich meine kleinen Brüste seit der Pubertät stark verunsicherten.
Viele Jahre hoffte ich darauf, dass sie vielleicht doch noch wachsen würden.
Sie taten es nicht.
Diese Unsicherheit hinterließ deutliche Spuren in meinem Selbstbewusstsein.
Es klingt vielleicht banal.
Aber sie hemmte mich in vielen Situationen.
Auch bei Jungen gehörte ich nicht unbedingt zu den Favoritinnen.
Dann kam, wie so oft, die große Liebe.
Ich war noch sehr naiv.
Ich war überzeugt:
Wir bleiben für immer zusammen.
Nach einigen Jahren endete die Beziehung.
Heute, mit mehr Abstand und Reife, sehe ich:
In dieser Beziehung entwickelte ich mich eigentlich kaum weiter.
Weder als Mensch.
Noch als Frau.
Wenn überhaupt, wurde ich eher herabgesetzt und unterschätzt.
Damals erkannte ich das nicht.
Ich war hübsch und außerdem gebildeter als der Junge.
Vielleicht versuchte er auf diese Weise, sein eigenes Gefühl von Unterlegenheit auszugleichen.
Nach der Trennung kam natürlich auch für mich der „Weltuntergang“.
Meine Weiblichkeit lag am Boden.
Gleichzeitig wurde genau diese Krise zu einer großartigen Möglichkeit, mich zu entfalten.
Ich tanzte bereits seit Jahren Bauchtanz und war mehrfach aufgetreten.
Trotzdem brachte selbst das nicht den großen Durchbruch, auf den ich wartete.
Dieses echte Gefühl:
Ich bin eine Frau.
Und es ist schön, eine Frau zu sein.
Ich erinnere mich heute nicht mehr genau, was die Veränderung ausgelöst hat oder wie alt ich damals war.
Vielleicht neunundzwanzig.
Doch irgendwann sah ich mich plötzlich anders im Spiegel.
Ich fühlte mich als Frau anders.
Auch meine Ausstrahlung veränderte sich.
Ich bekam häufiger Komplimente.
Von Männern.
Von Frauen.
Ich wurde bei Männern deutlich beliebter.
Eine Zeit lang hatte ich sogar das Gefühl:
Ich könnte wahrscheinlich jeden haben, den ich wollte.
Männer machten mir Angebote, bei denen ich nie gedacht hätte, dass ich ihnen gefalle.
Manche wären dabei sogar bereit gewesen, ihre Partnerin oder Familie zu betrügen.
Das war enttäuschend.
Doch die Entdeckung dieser Art von „Macht“ fühlte sich trotzdem gut an.
Und weil ich die Schönheit und Klarheit meiner Seele niemals hätte beschädigen wollen, ging ich mit solchen Situationen selbstverständlich auf eine Weise um, die zu meinen Werten passte.
Auch der Tanz wurde anders.
Oder genauer:
Meine Gefühle während des Tanzens veränderten sich.
Ich konnte die FRAU in mir erleben.
Meine Emotionen durch Bewegung ausdrücken.
Oft zündete ich allein in meinem Zimmer Kerzen an.
Drehte die Musik laut.
Und ließ die Frau hervorkommen.
Sie durfte ihre Gefühle zeigen.
Und ich lebte sie durch den Tanz.
Mit Hilfe einer lieben Bekannten machte ich außerdem regelmäßig das, was wir Aura- und Seelenreinigung nannten.
Ich hatte das Gefühl, dass meine Ausstrahlung dadurch anders wurde als bei vielen anderen Menschen.
Klarer.
Positiver.
Eigentlich fehlte nur noch ein Mann.
Doch ich war inzwischen an dem Punkt:
Lieber allein als in einer schlechten Beziehung.
Davon hatte ich leider genug Beispiele erlebt.
Ich suchte den MANN.
In unterschiedlichen Altersgruppen.
Unter den verschiedensten Menschentypen.
Doch irgendwie fand ich ihn nicht.
Ich mochte Männer.
Ich mochte männliche Energie.
Mein Leben hatte sich ohnehin immer so entwickelt, dass ich mehr männliche Freunde und Bekannte hatte als weibliche.
Dann kam eine Phase, in der die Wellen plötzlich über mir zusammenschlugen.
Ein sehr lieber Freund starb.
Ich begann häufiger feiern zu gehen.
Mehr zu trinken.
Mehr Männer kennenzulernen.
Langsam bekam ich das Gefühl:
Mir entgleitet die Kontrolle.
Da entschied ich, Silvester in einem buddhistischen Zentrum zu verbringen.
Ich wollte das alte Jahr richtig abschließen.
Und das neue bewusst beginnen.
Was ich dort erlebt habe, lässt sich kaum in Worte fassen.
Auch nicht die Gefühle, mit denen ich zurückkam.
Ich war wieder ich selbst.
Vielleicht sogar eine etwas bessere Version von mir.
Und dann kam endlich ER.
Der Mann, nach dem ich mich immer gesehnt hatte, trat in mein Leben.
Neben ihm kann meine Weiblichkeit vollständig aufblühen.
Neben ihm bin ich die Frau.
Dann kam auch in mein Leben jenes Wunder, von dem beinahe jede Frau träumt:
Ein neues Leben begann in mir zu wachsen.
Bisher hatte ich solche Veränderungen nur bei anderen beobachtet.
Jetzt erlebte ich sie selbst.
Der Körper verändert sich.
Gefühle verändern sich.
Die Ausstrahlung verändert sich.
Die Hormone toben.
Und ja:
Zum ersten Mal erlebte ich, wie es sich anfühlt, die Treppe hinunterzugehen und zu spüren, wie sich meine Brüste bewegen.
Es klingt albern.
Ich weiß.
Aber vorher hatte ich dieses Gefühl nie gekannt.
Ich brauchte größere BHs.
Natürlich weiß ich, dass Weiblichkeit von innen kommt.
Trotzdem fühlte ich mich durch diese kleine körperliche Veränderung deutlich weiblicher.
Und selbstverständlich auch durch das Wissen:
In mir wächst neues Leben.
Leider durften wir das Wunder der Geburt und des Familie-Werdens noch nicht — oder vielleicht noch nicht jetzt — erleben.
Mein Mann sagte eines Tages zu mir, dass er mich bewundert.
Weil ich selbst in einer so schweren Situation noch leuchten konnte.
Denn neben jedem starken Mann steht eine starke Frau.
Hand in Hand.
Judit
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