Ohne Filter – Die Geschichte meines Körpers | Balázs
- Balázs

- vor 4 Tagen
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Aktualisiert: vor 9 Stunden
Vielleicht beginne ich damit, dass ich ein ganz normaler 44-jähriger schwuler Mann bin, 160 cm groß, der seine Arbeit liebt und versucht, in dieser beschleunigten Welt ein guter Mensch zu bleiben.
Vor vielen Jahren war ich ein graues, kaum sichtbares Staubkorn im Getriebe des Alltags. Übergewicht mit 83 kg, geringe Körpergröße, dazu beginnende Glatze, fehlendes Selbstvertrauen und Minderwertigkeitsgefühle.
Das Leben hielt mir diese Dinge immer wieder vor — besonders beim Dating — meist noch ergänzt durch das Etikett:
„Du bist hässlich.“
Da in der schwulen Datingwelt Äußerlichkeiten häufig eine sehr große Rolle spielen, beschloss ich irgendwann, mich vor ständigen Zurückweisungen zu schützen.
Ich gab auf.
Ich wählte das Alleinsein.
Und so kam es.
Die Arbeit wurde mein Leben. Vielleicht bin ich auch deshalb heute besonders gut darin.
Die Jahre vergingen.
Nach einer Kreuzfahrt besuchte uns meine jüngere Schwester und lud uns zum Essen ein. Dabei entstanden ein paar Fotos.
Als ich sie am nächsten Tag auf Facebook sah, war ich ehrlich gesagt entsetzt darüber, wie ich aussah.
In diesem Moment entschied ich: Es muss sich etwas ändern.
Ich war 37.
Weil ich Essen liebte, fasste ich den Grundsatz:
Bewegung über alles.
Ich begann zu laufen.
An meinen ersten Versuch erinnere ich mich noch genau. Nach einem halben Kilometer war ich völlig erledigt.
Aber ich machte Schritt für Schritt weiter.
Nach einigen Monaten waren 15–20 Kilometer kein Problem mehr, und die Kilos gingen immer weiter herunter.
Nach ungefähr einem Jahr nahm ich meinen Mut zusammen, suchte mir einen Personal Trainer und begann im Fitnessstudio zu trainieren.
An mein erstes Training erinnere ich mich noch genau.
Ich hatte furchtbare Angst.
Fast die ganze Zeit starrte ich entweder an die Decke oder auf den Boden.
Beim zweiten Mal wieder hinzugehen fiel mir schwer — aber ich tat es.
Die Zeit verging, Fortschritte kamen, und ich nahm langsam weiter ab, bis auf 61 kg.
Dann zeigte das Schicksal seine Ironie.
Diabetes.
Sie brach ziemlich brutal in mein Leben ein.
Ich verlor beinahe mein Augenlicht.
Den ersten Schock zu verarbeiten brauchte Zeit.
Ich, der Essen liebte, sollte nun lebenslang auf meine Ernährung achten und einen völlig anderen Lebensstil übernehmen.
Ich kann sagen: Es ist mir gelungen.
Bis heute trainiere ich, laufe und bewege mich. Ich versuche, die Ernährung einzuhalten — auch wenn das manchmal schwer ist.
Und ich änderte noch zwei Dinge:
Komplett rasierter Kopf.
Bart.
Natürlich tut es gut, wenn viele Menschen sagen, dass ich gut aussehe — gerade in der schwulen Community — und dass ich mich zu meinem Vorteil verändert habe.
Aber eines stimmt ebenso:
Mein Inneres hat sich nicht verändert.
Ich bin noch immer derselbe etwas chaotische kleine „Idiot“, der versucht, ein guter Mensch zu bleiben und anderen zu helfen.
Ich bin stolz auf mein Ergebnis und darauf, dass ich es halten kann.
Noch stolzer bin ich aber darauf, dass ich mehrere Bekannte und auch fremde Menschen dazu inspirieren konnte, selbst etwas zu verändern — und darauf, zeigen zu können, dass Diabetes ein Zustand ist, mit dem man leben kann.
Künstlerische Fotografie ist ein sensibler kreativer Prozess, in dem Körper, Persönlichkeit und authentisches Selbst gleichermaßen Raum erhalten.
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