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// Hinter den Kulissen. Ein Foto und die Geschichte dahinter!

Ein Abschiedsbrief an die Frau meines ehemaligen Liebhabers …

  • Autorenbild: Réka (32)
    Réka (32)
  • vor 4 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 9 Stunden


A nő világa - Réka (32)


Sonntagmorgen.

Der Tag danach.

Ich stütze mich am Waschbecken ab und kratze mir das verschmierte Make-up der gestrigen Party aus dem Gesicht.

Als ich nach Hause kam, war ich körperlich und seelisch müde und hatte keine Lust mehr, mich abzuschminken.

Ich kroch einfach zwischen die kalten Kissen.

Auch das Bett war kalt, obwohl ich wusste, dass es innerhalb einer Minute gebrannt hätte, wenn ich nicht allein, sondern mit IHM nach Hause gekommen wäre.

Aber ich tat es nicht.

Und egal wie miserabel und allein ich mich gerade fühle:


Ich bin glücklich.

Ich sehe stolz in den Spiegel, kuschle mich wieder ins Bett und denke an dich.

Du warst gestern ebenfalls auf der Party.

Deine Nägel auffällig rot lackiert.

Deine Lippen sorgfältig geschminkt.

Auf das Kind hat vermutlich deine Mutter bei euch aufgepasst.

Du unterhieltest dich etwas bemüht.

Du wirktest angespannt.

Er brachte dir immer wieder ein neues Getränk, sobald dein Glas leer war.

Bisher bist du kaum ausgegangen.

Zumindest glaube ich, dass sich deine Gedanken fast ausschließlich um euer Kind drehten.

Vielleicht spielt das auch keine Rolle.

Ich beobachtete dich und fragte mich:


Wer bist du eigentlich?

Zwischen uns liegen höchstens fünf Jahre.

Und trotzdem wirkt es manchmal wie mehr als zehn.

Dein Gesicht sieht müde aus.

Ich glaube nicht, dass du je besonders weiche oder freundliche Gesichtszüge hattest.

Irgendetwas an dir wirkt angespannt und kontrolliert.

Aber Geschmack hast du.

Nicht nur bei Kleidung natürlich.

Schließlich bist du SEINE Frau.

An eurem Hochzeitstag warst du schön.

Zumindest auf den Fotos.

Jede deiner Bewegungen strahlte:


Du hast gewonnen.

Jetzt gehört er dir.

Damals kannte ich euch beide noch nicht.

Von gemeinsamen Freunden hörte ich nur, dass kaum jemand dieser Ehe eine besonders glückliche Zukunft vorausgesagt hatte.

Ihr strittet viel.

Trenntet euch zeitweise.

Irgendwie schient ihr nicht wirklich zusammenzupassen.

Und trotzdem wolltet ihr heiraten.

Vielleicht wegen des Drucks der Eltern.

Vielleicht weil ihr ein Baby wolltet.

Eigentlich egal.

Heute denke ich an die Zeit zurück, als ich deinen Mann kennenlernte.

An sein stolzes Lächeln.

Seine Freude darüber, Vater geworden zu sein.

Ich freute mich mit ihm.

Für mich wart ihr damals ein glückliches Paar.

Und ich selbst steckte gerade in einem emotionalen Tief.

Die Zeit verging.

Und langsam begann die Zuckerglasur zu schmelzen.

Er wurde immer unglücklicher.

Angespannter.

Auch bei der Arbeit.

Auf seinen Schultern lag sehr viel.

Du hattest hohe Erwartungen.

Und er strengte sich unglaublich an.

Er wollte ein guter Vater sein.

Euch alles geben.

Doch irgendwie verschwand er selbst langsam aus der Gleichung.

Tag und Nacht ging es um das Kind.

Als Mann geriet er in den Hintergrund.

Und auch du schienst als Frau keine Aufmerksamkeit mehr zu brauchen.

Er flüchtete immer häufiger ins Fitnessstudio.

Zum Sport.

Zum Bier mit Freunden.

Natürlich kenne ich diese Version von ihm.

Vielleicht würdest du alles anders erzählen.

Wenn du überhaupt mit mir reden würdest.

Das hast du nie getan.

Von der ersten Minute an hast du mich mit stechendem Blick angesehen, obwohl ich versucht habe, offen auf dich zuzugehen.

Wie haben dein Mann und ich uns also ineinander verstrickt?

Ich glaube, unsere Schutzmauern fielen im selben Moment.

Mauern, mit denen wir uns selbst geschützt hatten.

Und darunter sehnten wir uns beide verzweifelt danach, dass endlich einmal jemand auch auf uns achtet.

Alkohol spielte eine Rolle.

Das Halbdunkel.

Die laute Musik.

Der Laubengang, auf dem wir allein zurückblieben.

Die Zeit hörte auf.

Ich spürte nur seinen Herzschlag unter meiner Hand.

Seine angespannten Muskeln.

Keiner von uns wollte, dass der Kuss endet.

Warum hatten wir uns erst jetzt getroffen?

Wir flüchteten ineinander.

Ich habe ihn nicht verführt.

Ich war weder besonders provozierend angezogen noch geschminkt.

Und trotzdem zogen wir uns wie Magnete an.

Ich wollte keine Geliebte sein.

Ich hatte bereits jede Seite dieses Dreiecks erlebt:


betrogen, untreu, die andere Frau.

Und auch damals hatte ich selbst die Geschichte beendet.

Ich wollte nie jemand anderem etwas wegnehmen.

Dein Mann und ich hielten uns sehr lange zurück.

Wir wollten einander.

Und trotzdem versuchten wir, nicht miteinander zu reden.

Uns nicht zu treffen.

Aber wir ertranken.

Und jeder Kuss gab uns Luft.

Und Freiheit.

Wie oft hat er dich mit mir betrogen?

Wo?

Wie?

Es spielt keine Rolle.

Einmal saßen wir nur auf dem Bett einander gegenüber.

Er sagte, er glaube nicht an ewige Liebe.

Er sei nicht glücklich.

Aber er wisse, dass es seine Pflicht sei, dir und eurem Kind alles zu geben.

Wir redeten lange.

Dann verabschiedete ich mich.

Ich sagte ihm:


Koste es, was es wolle.

Bring eure Beziehung in Ordnung.

Ihr könnt nicht euer gesamtes Leben in einer einsamen, zuckerglasierten Fassade verbringen.

Ich ließ ihn los.

Weil ich ihn liebte.

Jahre vergingen.

Euer Kind ist längst nicht mehr klein.

Und trägt inzwischen denselben starken Willen in sich, den ich in dir sehe.

Es bekommt alles.

Er dagegen wird immer mehr zum Schatten des Mannes, der er sein könnte.

Oder der er vielleicht neben mir geworden wäre.

Wenn …

Aber es gibt kein Wenn.

Es gibt nur das, was ist.

Ihr seid nebeneinander.

Aber vielleicht nicht wirklich miteinander.

Woher weiß ich das?

Weil gestern, während du vertieft mit Freundinnen gesprochen hast, deren Nasen mindestens genauso hoch stehen wie deine, sein Blick wieder meinen traf.

Er ging Richtung Toilette.

Ich trank meinen Cocktail an der Bar aus.

Dann folgte ich ihm durch die Menge.

Wir gingen ohne Jacken hinaus in die Kälte.

Wir standen einfach da.

Sahen einander an.

Dann nahmen wir uns an der Hand.

Es fühlte sich an, als wäre kein einziges Jahr vergangen.

Irgendwie hatten wir einander die ganze Zeit in uns getragen.

Ich begann wegen der Minusgrade zu zittern.

Doch in mir zitterte noch etwas anderes.

Er hatte mir höllisch gefehlt.

Er zog mich in seine Arme.

Und ich schmolz wie ein Schneemann.

Doch dieser Kuss tat weh.

Ich wusste:


Wir konnten einander keine Kraft mehr geben.

Jeder von uns war auch auf seinem eigenen Weg stecken geblieben.

Und gemeinsam durften wir nicht weitergehen.

Ich war wütend.

Auf dich.

Auf ihn.

Auf mich.

Warum ist es so schwer, richtig zu lieben?

Warum muss Liebe manchmal Loslassen bedeuten?

Warum verstehst du nicht, dass du ihn niemals besitzen kannst?

Dass er vielleicht nie wirklich dir gehört hat?

Wie lange wollt ihr noch auf dieser Bühne spielen und euch selbst belügen?

Wovor habt ihr solche Angst?

Ich kam nach Hause.

Er brachte dich ebenfalls nach Hause, weil du ihn natürlich schon ungeduldig angerufen hattest.

Du hattest genug von der Gesellschaft.

Jetzt ist Sonntagmorgen.

Der Morgen, an dem man mit dem wichtigsten Menschen der Welt unter einer Decke auf dem Sofa liegen möchte.

Mit IHM würde ich wahrscheinlich spazieren oder laufen gehen.

Danach gemeinsam duschen.

Kochen.

Vielleicht würde das Essen kalt werden, bevor wir überhaupt dazu kämen, es zu essen.

Und am Abend würde ich ganz sicher keine Firmen-E-Mails lesen.

Was macht ihr?

Der verpflichtende Sonntagabend-Sex?

Einmal im Monat, wenn es gut läuft?

Bist du glücklich?

Wenn du ihn ansiehst, ist dir bewusst, dass jemand anderes beinahe alles für ihn geben würde?

Dass er neben mir häufig sehr viel mehr Mann war als neben dir?

Oder vielleicht stimmt das gar nicht.

Schließlich ist er nicht bei mir.

Und trotzdem denke ich heute Morgen ausgerechnet an dich.

Kämpfe.

Für euch.

Für eure Ehe.

Aber ohne Waffen.

Denn echte Kraft liegt im Loslassen.

In Weichheit.

Aufmerksamkeit.

In einem spielerischen Lächeln.

Liebe ihn.

Oder lass ihn gehen.

Aber lebe niemals aus Angst.

Denn dann lebst du nicht wirklich.

Das ist mein Geheimnis.

Ich habe die Handschuhe längst ausgezogen.

Gegen wen kämpfst du noch?

Ich weiß, dass du Angst vor mir hast.

Weil ich jünger bin.

Schön.

Leidenschaftlich.

Weil ich es liebe, Frau zu sein.

Vielleicht fürchtest du, dass du niemals wagen wirst, die Frau zu sein, die du in mir siehst:


jemand, der für nichts alles riskieren kann.

Ganz.

Sogar in einem einzigen Kuss.

Und vielleicht ist meine einzige Angst, dass ich eines Tages neben jemand anderem genau zu der Frau werde, die du heute bist.

(Das Titelbild dient nur als Illustration.)

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