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// Hinter den Kulissen. Ein Foto und die Geschichte dahinter!

Die Psychologie der künstlerischen Aktfotografie

  • Autorenbild: Bánhalmi Norbert
    Bánhalmi Norbert
  • vor 4 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 9 Stunden

• Professioneller Fotografie-Artikel •

Eine schöne künstlerische Aktserie ist meiner Meinung nach eher eine Frage der Psychologie als der Ausrüstung.

Um das zu zeigen, kaufte ich Olympus' günstigste spiegellose Einsteigerkamera, die PEN E-PL7, dazu zwei winzige Lume-Cube-Leuchten und lud eine alte Freundin zum Shooting ein.

„Ist es für dich eigentlich normal, wenn Menschen nackt vor dir stehen?“

Wir waren bereits auf der Autobahn, als sie nach mehreren Minuten Schweigen mit leicht stockender Stimme genau diese Frage stellte.

Im ersten Moment wirkte der Satz ausgerechnet von ihr merkwürdig.

Sie ist selbst professionelle Fotografin und hat unzählige Akte fotografiert.


Bánhalmi Norbert -profi fotós • Művészi aktfotózás Budapest


Doch tatsächlich hatten wir in zwölf Jahren Freundschaft über genau dieses Thema kaum gesprochen.

Ich spürte sofort:


Ihre Frage war nicht fachlich gemeint.

Hier ging es um etwas anderes.

Ich begann darüber nachzudenken, wie ich selbst solche Situationen erlebe.

Noch immer kann mich die Offenheit von Menschen beinahe erschrecken.

Wenn sie einem Vertrauen schenken, legen sie zusammen mit ihrer Kleidung oft auch ihre Mauern ab.

„Nein. Überhaupt nicht. Es ist ganz und gar nicht selbstverständlich“, begann ich.

Dann war es, als hätte jemand einen Wasserhahn geöffnet.

Gefühle, die ich normalerweise tief vergrabe, kamen einfach heraus.

Wir redeten.

Ich erklärte, wie ich die Sache sehe.

Für einen Fotografen ist es eine enorme Ehre, wenn ein Mensch gerade ihn auswählt und ihm dieses Vertrauen schenkt.

Denn in Wirklichkeit fotografieren wir nicht nur einen Körper.

Wir versuchen, die Seele eines Menschen durch seinen Körper zu sehen und sichtbar zu machen.

Daran ist nichts selbstverständlich.

Privilegiert ist derjenige, vor dem ein anderer nicht nur seinen Körper, sondern auch seine Energie zeigen kann.

Gleichzeitig bedeutet das enorme Verantwortung.

Der Moment ist zutiefst intim.

Das Model — und so nenne ich jeden Menschen, der vor meiner Kamera steht — ist körperlich und seelisch verletzlich.

Deshalb müssen wir eine Atmosphäre schaffen, in der diese Person wirklich das Gefühl hat, sich einem Fremden anvertrauen zu können.

Sie muss in jene ehrliche Welt hinter ihren Mauern eintauchen können, in der ihr wirkliches Selbst lebt.

Das ist ein sensibles Gebiet.

Denn in dieser Situation trägt der Fotograf Verantwortung für den seelischen Zustand beider Menschen.

Eine falsche Reaktion, ein ungeschicktes Wort — praktisch alles kann das Model aus diesem Zustand herausreißen und emotional negativ beeinflussen.

Deshalb ist es so wichtig, welches erste Bild wir zeigen.

Was zeigen wir der Person damit über sich selbst?

Nach meiner Erfahrung wünschen sich viele Menschen Aktfotos, weil sie die Bestätigung suchen, schön zu sein.

Sie möchten ihren Körper akzeptieren.

Oder eine Erinnerung an einen bestimmten Zustand ihres Lebens bewahren.

Selbst wenn wir das Ziel des Bildes kennen und ausreichend Erfahrung besitzen, ist es nicht einfach zu spüren, welcher Moment zuerst gezeigt werden sollte.

Überlegt einmal:


Bis genau hierhin haben wir Fotografen Vertrauen bekommen.

Wenn wir uns vollkommen auf die Energie des Models einstellen konnten und die Person vor uns ihre Weiblichkeit oder Männlichkeit wirklich leben konnte, dann wird sie beim Betrachten der Aufnahme genau das Gefühl wiedererkennen, das sie im Moment der Auslösung ausgestrahlt hat.

Das gibt häufig einen enormen emotionalen Schub.

Der Mensch sieht seinen eigenen Körper selten von außen.

Schließlich lebt er in ihm.

Jedes solche Bild kann das Model einen Schritt weiter in Richtung wirklicher Offenheit führen.

Viele bekannte Aktfotografen — darunter mein persönlicher Favorit Helmut Newton — dachten ähnlich.


Bánhalmi Norbert -profi fotós • Művészi aktfotózás Budapest


Vielleicht tragen gerade deshalb seine auf den ersten Blick einfachen Bilder so viel Emotion und Sexualität.

Zurück zum Moment, in dem das erste Bild gezeigt wird:


Wenn wir die Energie des Models nicht in uns hineingelassen haben, zeigen wir der Person im Grunde nur einen von uns arrangierten Körper.

Technisch kann das korrekt sein.

Doch häufig enthält das Bild kaum Energie oder Botschaft.

Dann passiert schnell etwas Gefährliches:


Das Model verliert Selbstvertrauen.

Und meistens gibt es nicht dem Fotografen die Schuld.

Sondern sich selbst.

Auch von dort kann man ein Shooting wieder aufbauen.

Aber es ist wesentlich schwieriger.

Für jeden Menschen bedeutet ein perfektes Bild etwas anderes.

Natürlich soll der Körper schön wirken.

Doch gute Aktbilder transportieren immer persönliche Gefühle.

Die meisten Menschen lassen solche Bilder für sich selbst machen — auch wenn es manchmal leichter ist, die Entscheidung mit einer Mission zu erklären, etwa als Geschenk für den Partner.

Aktfotografie ist ein „Striptease der Seele“.

Diesen Ausdruck sagte Évi Lénárt einmal zu mir.

Und im Grunde kann sie tatsächlich zu einer Form von Therapie werden.

Nicht das Bild selbst ist der eigentliche Grund, warum sich jemand auf ein Aktshooting einlässt.

Entscheidend ist das Gefühl, das das Bild in ihm auslöst.

Dieses Gefühl kann die Beziehung zum eigenen Selbst verändern — und dadurch das gesamte Leben.

Ich selbst würde das vermutlich nicht glauben, wenn ich es nicht immer wieder erleben würde.

Viele Menschen fragen, wie Männer und Frauen sich vor einem Fotografen entspannen können.

Dahinter steckt nichts Geheimnisvolles.

Auch wenn viele wahrscheinlich eine kompliziertere Antwort erwarten.

Das Geheimnis ist Liebe.


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Wenn du einem Menschen mit Liebe, Respekt und Demut begegnest, kannst du selbst jemanden beruhigen, der sehr stark angespannt ist.

Du musst das Schöne in ihm sehen.

Noch wichtiger ist jedoch:


Du musst ihn so akzeptieren, wie er wirklich ist.

Wenn jemand ein kleines Glas Pálinka braucht, um lockerer zu werden, dann lass ihn.

Musik ist ebenfalls sehr wichtig.

Jeder Mensch hat ein Lied im Kopf, mit dem sich eine ehrliche, liebevolle oder intime Erinnerung verbindet.

Dann soll genau dieses Lied laufen.

Auch die Berührung des eigenen Körpers während des Posierens ist wichtig.

Das Model sollte das mit Akzeptanz und Zuneigung tun.

Und bewusst wahrnehmen, wie sich die eigene Berührung anfühlt.

Dann können wirklich ehrliche und klare Gefühle entstehen.

Der Fotograf wiederum sollte sie so unverändert wie möglich durch die Bilder weitergeben.

Eines ist besonders wichtig:


Nicht das Model ist für uns da.

Wir Fotografen sind für das Model da.

Es gibt kein Oben und Unten.

Beide Seiten sind vollkommen gleichwertig.

Jede Auslösung ist gemeinsame kreative Arbeit.

Dann kann etwas beinahe Magisches passieren.

Die zwei Menschen können in einem Raum präsent sein, in dem Geschlecht praktisch keine Rolle mehr spielt.

Dabei ist völlig egal, ob zwei Frauen, zwei Männer oder eine Frau und ein Mann miteinander arbeiten.

Die Seele hat kein Geschlecht.

Das ist das ganze Geheimnis.

Wir räumten unsere Sachen im Zimmer aus.

Ich spürte, dass sie noch nicht bereit war.


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Dabei hatten wir uns früher oft gegenseitig als Models eingesetzt, wenn wir etwa Lichtsetups ausprobieren wollten, die wir im Internet entdeckt hatten.

Diesmal war sie gekommen, weil sie meine Geschichte über die Lume-Cube-Leuchten neugierig gemacht hatte.

Am Ende dieses Artikels hatte ich geschrieben, dass ich die Lichter gern in einer nassen Umgebung für künstlerische Akte testen würde.

Noch vor der Veröffentlichung hatte ich den Text meinem Team gezeigt.

Sie meldete sich sofort, weil sie die Idee spannend fand.

Ich griff in die Tasche meiner Jacke, die über einem Stuhl hing, und holte eine Olympus PEN E-PL7 heraus.

Darauf saß ein 7artisans 25mm f/1.8 mit komplett manueller Blende und Fokussierung.

Ich legte die Kamera neben die zwei winzigen Lume Cubes, die unsere Studioleuchten ersetzen sollten.

„Damit fotografieren wir heute“, sagte ich mit einem riesigen Lächeln.

Ihr Gesicht zeigte allerdings eher Schock und Verständnislosigkeit.

„Du willst also bei schlechtem Licht über ein Display fotografieren — ohne Hilfslicht und ohne Autofokus?“

„Ja. Aber bitte vertrau mir“, versuchte ich sie zu beruhigen.

Ich weiß, dass Fotografen bei so etwas schnell die Krise bekommen.

Bei ihr hatte ich allerdings nicht damit gerechnet.

Schließlich wusste sie, dass ich gern experimentiere.

Während unseres Gesprächs kam heraus, dass sie sich eine Woche zuvor von ihrem Verlobten getrennt hatte.

Er hatte sie mit einer zehn Jahre jüngeren Frau betrogen.

Seitdem suchte sie den Fehler in sich selbst.

Sie glaubte, ihr Körper sei nicht schön.


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Mit ihr müsse irgendetwas grundsätzlich nicht stimmen.

Sie hatte Angst davor, was sie auf den Bildern sehen würde.

Sie hoffte, dass ich ihre schönere Seite zeigen würde.

Gleichzeitig wusste sie, wie kritisch sie selbst ist.

Bei jedem Bild würde sie zuerst nach den Fehlern suchen.

Sie würde nicht in der Lage sein, sich als Ganzes so zu sehen wie ich.

Ich traf eine Entscheidung:


Keine Retusche.

Ich würde ihr die unbearbeiteten Bilder geben und versuchen, alles bereits in der Kamera so perfekt wie möglich einzustellen.

Wir zeigen die Realität.

Das, was aus dieser kleinen Kamera tatsächlich herauskommt.

Damit wurde sie kurz unsicher.

Retusche hilft schließlich bei vielen Dingen.

Doch auch sie wusste:


Sie konnte sich selbst nicht belügen.

Das hier war jetzt Therapie.

Sie musste herausfinden, wo sie den Fehler sah.

Und Frieden damit schließen.

Wenn es einen Makel gab, musste sie ihn akzeptieren und lieben lernen.

Das Zimmer hatte eine große Dusche.


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Ich stellte zwei Stative auf und montierte darauf die beiden Lume Cubes.

Mit einfachen Gummiringen befestigte ich auf der einen Seite eine rote, auf der anderen eine blaue Plexiglasscheibe.

Dann tauschten wir die Plätze.

Sie ging hinein und zog sich aus.

Ich wartete draußen.

Eine meiner Grundregeln lautet:


Wir beobachten nie, wie sich ein Model auszieht.

Dieser Moment gehört allein der Person.

Als sie mich hereinrief, stand sie bereits unter der Dusche.

Vielleicht war das genau die beste Lösung.

Ich kam in eine bereits entstandene Situation.

Nur die beiden farbigen Lichter waren an.

Sie musste mich nicht vollkommen nackt begrüßen und erst danach in das Shooting hineinfinden.


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Dann begann ich mir Sorgen zu machen.

Konnte ich mit meinem manuell fokussierten 25mm-Objektiv in dieser Umgebung wirklich schöne und ausreichend scharfe Bilder erzeugen?

Mein Ehrgeiz meldete sich.

Früher gab es schließlich keine Digitalkameras.

Alles wurde manuell eingestellt.

Und das Display zeigte erstaunlich gut, was ich im schwachen Licht sah.


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Das musste doch funktionieren.

Die ersten Versuche waren nicht besonders scharf.

Ich suchte nach der richtigen Verschlusszeit.

Bei 1/60 Sekunde, f/1.8 und ISO 500 begann ich schöne Bilder zu bekommen.

Natürlich bewegte sich das Model.

Deshalb war nicht jede Auslösung perfekt.

Dann zeigte ich ihr das erste wirklich gelungene Bild.


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Die Reaktion überraschte mich vollkommen.

Sie begann zu weinen.

Sie ging in die Hocke.

Und ich spürte:


Jetzt müssen wir einfach einen Moment warten.

Auf dem Heimweg saß eine der glücklichsten Frauen der Welt neben mir im Auto.


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Ich glaube, eine solche Wirkung hängt niemals in erster Linie von der Ausrüstung ab.

Entscheidend ist vielmehr die Empathie des Fotografen — wie offen er für die Gefühle seines Models ist.

Die Frau in dieser Geschichte erhielt weit mehr als einige Bilder.

Sie bekam ihre Weiblichkeit zurück.

Ihr Selbstvertrauen.

Und die Fähigkeit, sich selbst wieder zu lieben.

Künstlerische Fotografie ist ein sensibler kreativer Prozess, in dem Körper, Persönlichkeit und authentisches Selbst gleichermaßen Raum erhalten.


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