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// Hinter den Kulissen. Ein Foto und die Geschichte dahinter!

Die Initiation

  • Autorenbild: Báró Mónika (28)
    Báró Mónika (28)
  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 9 Stunden


Báró Mónika - A Nő világa - fotó: Bánhalmi Norbert - profi fotós


Damals drehte sich alles um ihn.

Es war, als hätte ich aufgehört, für mich selbst zu existieren.

Als hätte ich mich vollständig in meiner Weiblichkeit aufgelöst und mit jeder Zelle nur noch versucht, dass es ihm gut geht.

Natürlich fühlte auch ich mich dabei gut.

Es ging nicht um zerstörerische Kompromisse oder darum, mich bewusst selbst aufzugeben.

Alles geschah fast unmerklich.

Eher instinktiv als geplant.

Ich sehnte mich nach ihm.

Ich hatte darauf gewartet, jemanden lieben und ihm alles geben zu können.

Nur über eine Frage dachte ich nicht nach:


Was wird eigentlich aus mir?

Das ist eine besondere Temperatur von Liebe.

Am ehesten kann ich sie wohl mit Mutterschaft vergleichen, obwohl ich selbst noch keine Mutter bin.

Ich glaube trotzdem, dass es eine Ähnlichkeit gibt.

Ein Mensch tritt in dein Leben und übernimmt plötzlich beinahe vollständig die Hauptrolle.

Manchmal sogar vollständig.

Wenn man in dieser scheinbar gesunden, aber leise das eigene Selbst verdrängenden Dynamik eine kritische Grenze erreicht, mischt sich das Schicksal ein.

Nach einem langen Arbeitstag wollten wir einen Ausflug machen.

Wir fuhren gemeinsam mit dem Fahrrad rund um den MOM Park.

Der Himmel war grau.

Die Sonne war nicht stark genug, um die dichte Wolkendecke zu durchbrechen.

Wir rollten bereits bergab.

Immer schneller.

Noch schneller.

Dann war plötzlich alles weg.

Ich weiß nicht, was passiert ist.

Ich wache in einem Rettungswagen auf.

Ich höre ein Gespräch.

Sie diskutieren darüber, ob mein Schädel gebrochen sein könnte.

Er ist neben mir.

Aufgewühlt.

Der Anblick hat ihn erschüttert.

Und die Vorstellung, dass er mich vielleicht hätte verlieren können.

Doch ich hatte Glück.

Im Krankenhaus stellte sich heraus:


Mein Schädel war intakt.

Nur die Kopfhaut war aufgerissen.

Der heftige Schlag hatte außerdem eine schwere Gehirnerschütterung verursacht.

Als sie mich nach dem Nähen aus dem Raum schoben, warteten meine Schwester und ihr Partner bereits im Flur.

Aufgeregt.

Besorgt.

Diese vollkommen reine Liebe, die dort beinahe körperlich spürbar im Raum lag, kann ich kaum beschreiben.

Zur Beobachtung musste ich zwei Tage im Krankenhaus bleiben.

So hatten wir Zeit zu reden.

Und ich Zeit zum Nachdenken.

Ich erfuhr:


Nach dem Aufprall war ich etwa zwanzig Minuten bewusstlos.

Außerdem hatte ich einen Krampfanfall.

Meine Augen waren offen.

Auf Geräusche reagierte ich nicht.

Ich lag auf dem Asphalt.

Blut lief aus meinem Kopf.

Es muss schrecklich gewesen sein, das mitanzusehen.

Manchmal stelle ich mir vor, wie ich mich gefühlt hätte, wenn er dort gelegen hätte.

Bewusstlos.

Mit blutender Kopfverletzung.

Der Gedanke ist furchtbar.

Merkwürdigerweise war ich die ganze Zeit ruhig.

Keine Todesangst.

Keine Verzweiflung.

Vielleicht wusste ein Teil meiner Seele, dass alles gut ausgehen würde.

Und trotzdem änderte sich nach meinem Erwachen etwas.

Ich war nicht mehr derselbe Mensch.

Ein neues Leben begann.

Mit einer neuen Wertordnung.

Ein Leben, in dem jede Minute Geschenk ist.

Denn jetzt weiß ich:


Alles, was selbstverständlich erscheint, kann in einem Augenblick verschwinden.

Es ist nicht selbstverständlich, morgens aufzuwachen und sich gut zu fühlen.

Nicht selbstverständlich, seine Aufgaben zu erledigen, zu lernen und voranzukommen.

Nicht selbstverständlich, geliebt zu werden.

Dass Menschen etwas für uns tun.

Neben uns stehen.

Das sind keine automatischen Bestandteile des Lebens.

Es sind Privilegien.

Fürsorge.

Segen.

Mit schmerzendem Kopf lag ich im Krankenhausbett.

Ich sah die Tropfen der Infusion.

Und feierte innerlich die Geburt meines neuen Selbst.

Ich war dem Universum dankbar, dass ich überhaupt noch hier sein durfte.

Dass Menschen mich liebten.

Mir halfen, als ich Hilfe brauchte.

Er saß am Ende des Bettes.

Sah mich an.

Hielt meine Hand.

Hörte meinen Atem.

Und versank in seinen Gedanken.

Was wäre, wenn ich nicht mehr da wäre?

Wenn die Geschichte dort geendet hätte?

Stattdessen begann eine neue Frau zu entstehen.

Vollständiger.

Glücklicher.

Weiser.

Warte nicht darauf, dass das Schicksal dir erst so hart auf den Kopf schlagen muss, damit du verstehst:

Du gehörst hierher.

Du bist wichtig.

Du solltest das selbst wissen.

Und die Menschen, die dich lieben, ebenfalls.

Ihr müsst verstehen, welches Gewicht allein die Tatsache deiner Existenz besitzt.

Dass du da bist.

Dass du wichtig bist.

Besonders.

Du hast einen Platz, den niemand anderes ausfüllen kann.

Manche Menschen empfinden Mitleid, wenn sie meine Geschichte hören.

Es gibt nichts zu bedauern.

Aufwachen und klüger werden kann man auf viele Arten.

Ich habe offenbar einen gefährlicheren Weg gewählt.

An diesem grauen Herbstnachmittag hätte ich sterben können.

Alles und jeden zurücklassen.

Etwas ließ mich nicht gehen.

Es fühlte sich an, als würden Millionen unsichtbarer Hände mich zurückziehen.

Vielleicht versteht man dieses Gefühl nur, wenn man selbst etwas Ähnliches erlebt.

Vielleicht klingen meine Worte leer, wenn man nie dort war.

Trotzdem hoffe ich, dass sie einen kleinen Gedanken in deinem Bewusstsein pflanzen.

Vielleicht wachst auch du eines Tages als anderer Mensch auf.

Näher an etwas, das sich nicht wirklich benennen oder festhalten lässt.

An etwas, das wir alle suchen.

Wir kämpfen.

Fallen.

Und stehen zum tausendsten Mal wieder auf.

Wir gehen weiter, weil wir näherkommen wollen.

Dabei ist es längst in uns.

Immer.

Überall.

Vielleicht nennt man genau das Glück.

Nach dem Unfall verstand ich noch etwas:


Zu lieben und geliebt zu werden bedeutet Verletzlichkeit.

Es setzt enormes Vertrauen voraus.

Der andere kennt deine Schwächen.

Deine Fehler.

Und in einer solchen Nähe kann ein Mensch sich sogar selbst verletzen, ohne es zu bemerken.

Wie?

Ganz einfach.

Man löst sich so vollständig in der gemeinsamen Welt zweier Menschen auf, dass man irgendwann nicht mehr wahrnimmt, dass man selbst kaum noch existiert.

Da stellte sich mir die Frage:


Bedeutet Frau-Sein genau dieses völlige Aufgehen?

Ich musste erkennen:


Nein.

Frau-Sein bedeutet Akzeptanz.

Aufnahme.

Fürsorge.

Hingabe.

Liebe.

Aber so, dass auch DU darin vorkommst.

Wasser hört nicht auf Wasser zu sein, nur weil es die Form seines Gefäßes annimmt.

Und auch ich muss als Frau nicht aufhören, ich selbst zu sein, nur weil es einen Menschen in meinem Leben gibt, den ich sehr liebe und an den ich viele meiner Gedanken und Handlungen anpasse.

Frau-Sein bedeutet auch enorme Kraft.

Schöpferische Kraft.

Die Fähigkeit, Neues entstehen zu lassen.

Damit alles funktioniert, müssen wir jedoch lernen, eine symbolische Grenze zu ziehen.

Einen Teil von uns bewahren.

Einen kleinen Kern, der immer bleibt, wie er ist.

Sich selbst treu.

Genau das macht eine Frau wirklich stark und anziehend.

Ein Teil von ihr bleibt uneinnehmbar.

Nie vollkommen erreichbar.

Und gerade dadurch wird sie ganz sie selbst:


Ein strahlendes Wunder.

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