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// Hinter den Kulissen. Ein Foto und die Geschichte dahinter!

Das gute Mädchen …

  • Autorenbild: Éva (40)
    Éva (40)
  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 9 Stunden


A Nő világa - Éva - fotó: Bánhalmi Norbert - profi fotós


Mit zwanzig kamen wir zusammen.

Fünf Jahre später wurde meine erste Tochter geboren.

Danach folgten im Abstand von jeweils fünf Jahren noch zwei Kinder.

Familienhaus.

Hund.

Katze.

Gemeinsames Unternehmen.

Urlaube.

Alles lief nach Plan.

Zu unserem zehnten Jahrestag heirateten wir sogar.

Von außen sah es nach einem sorgenfreien Leben aus.

Hätte es eines sein können?

Ich weiß nicht, wo ICH in diesen zwanzig Jahren war.

Selbst rückblickend finde ich mich darin kaum.

Das Geld verdiente immer mein Mann.

Ich arbeitete ein wenig im Unternehmen und bekam sogar Gehalt.

Doch beinahe unbemerkt wurde meine Hauptaufgabe die Erziehung der Kinder.

Ich liebe sie.

Sie brauchten mich, um zu den Menschen zu werden, die sie heute sind.

Doch jeden Versuch, selbstständig meine eigenen Flügel auszubreiten, schnitten wir im Laufe der Jahre immer wieder zurück.

Sex betrachtete ich als notwendige Sache.

Überwältigende Erlebnisse hatte ich kaum.

Ich akzeptierte einfach:


Offenbar bin ich so.

Da kann man nichts machen.

Auch deshalb bekam ich in der Ehe deutlich mehr schlechte „Kritik“ als Anerkennung.

Mein ohnehin nicht besonders stabiles Selbstvertrauen wurde langsam in allen Bereichen abgebaut.

Signale oder Annäherungen anderer Männer bemerkte ich nicht.

Diese Kanäle waren vollständig geschlossen.

Verliebt war ich zwischendurch trotzdem.

Zehn Jahre platonisch.

Und fünf Jahre lang real — aber heimlich.

Am Ende löschte das ständige Verstecken die Flamme in uns beiden.

Mein eigentliches Erwachen begann vor fünf Jahren.

Damals entdeckte ich zufällig, dass mein Mann mich seit Jahren betrog.

Das allein erschütterte mich.

Noch erschreckender war jedoch die Erkenntnis:


Ich kann nicht gehen.

Ich kann uns finanziell nicht allein erhalten.

Nach den großen Dramen ordneten wir unser Leben neu.

Seitdem leben wir friedlich miteinander.

Als Mitbewohner.

Als Freunde.

Er möchte nicht gehen.

Ich kann es finanziell noch nicht.

Noch nicht.

Seitdem versuche ich mich aufzubauen.

Mich zu verstehen.

Es geht langsam.

Aber ich bin unterwegs.

Heute weiß ich, wie schön Sex sein kann.

Ich entdeckte:


In verständnisvollen, sanften Händen funktioniert mein Körper wunderbar.

Ich kann grenzenlos begehren.

Und mich beim Sex vollkommen verlieren.

Während der #MeToo-Kampagne kamen zwei Erinnerungen aus den tiefsten Schichten meines Bewusstseins zurück.

Eine aus früher Kindheit.

Eine aus der Pubertät.

Plötzlich bekam ich für vieles eine Erklärung.

Unter anderem dafür, weshalb meine Sexualität auf jenem frühen jugendlichen Niveau hängen geblieben war, in dem Intimität aus einigen aufregenden Berührungen besteht und scheinbar gar nicht mehr braucht.

Welche Erinnerungen waren das?

Meine Eltern arbeiten.

Der Nachbar, Herr Molnár, passt auf meinen kleinen Bruder und mich auf.

Ich bin zwischen fünf und sieben.

Ich erinnere mich an einen dünnen alten Mann mit sonnengegerbtem Gesicht.

Mehr ist kaum geblieben.

Er setzt mich neben sich.

Sagt, dass nichts Schlimmes passiert.

Ich soll ein gutes Mädchen sein.

Aber niemandem etwas erzählen.

Vielleicht gibt er mir auch Süßigkeiten.

Er legt meine Hand in seine Jogginghose und unter die Unterwäsche.

Dann bittet er mich, seinen Penis zu drücken.

Mein Bruder spielt weiter.

Er bemerkt nichts.

Ich bin ein gutes Mädchen.

Ich weiß nicht, wie oft es geschah.

Irgendwann hörte es einfach auf.

Fast zehn Jahre später merkt eine Freundin, die nur wenig älter ist als ich, dass ich mit sechzehn noch keinen Freund habe.

Sie organisiert ein Date mit einem zehn Jahre älteren Mann.

Ich bin neugierig.

Also gehe ich hin.

Wir treffen uns im achten Stock eines Plattenbaus.

Neben der Wohnung gibt es einen winzigen Raum von vielleicht zwei Quadratmetern.

Neonlicht.

Eine Matratze auf dem Boden.

Er schließt die Tür.

Dann bittet er mich, ihn oral zu befriedigen.

Er ist nicht gewalttätig.

Aber bestimmt.

Sein Penis ist groß, rot, sauber und gepflegt.

Aus der Nachbarwohnung hört man sein Kind weinen.

Ich unterdrücke meinen Würgereiz.

Ich bin ein gutes Mädchen.

Mit vierzig bin ich heute endlich an dem Punkt angekommen, an dem ich als Frau weiß, was ich will.

Und was nicht.

Ich bin kein gutes Mädchen mehr.

Ich bin ich selbst.

Jetzt beginne ich mich zu öffnen.

Und jetzt wage ich endlich zu leben.

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