Als ein Teil von mir starb …
- Ancsi (48)

- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 9 Stunden
Mein Partner sagte:
„Ich wünschte, du könntest dich mit meinen Augen sehen. Ich wünschte, du würdest erkennen, wie schön du bist.“
Ich verstand lange nicht, was er damit wirklich meinte — bis ich eines Tages ein Fotoshooting geschenkt bekam.
Per E-Mail vereinbarten wir ein telefonisches Vorgespräch.
Schon in dem Moment, in dem Norbi und ich zu reden begannen, reagierte etwas in mir.
Ich spürte eine riesige Mauer um meine Seele — und plötzlich bekam ich die Möglichkeit, diese Mauer überhaupt wahrzunehmen und sie langsam einzureißen.
Norbis Worte schlugen einen ersten Riss hinein.
Durch diesen Riss begann ein neues Gefühl zu sickern.
Etwas, das ich vorher nicht kannte.
Zuerst konnte ich nur die Angst benennen.
Ich hatte Angst, mich zu zeigen.
Trotzdem vereinbarten wir einen persönlichen Termin, um gemeinsam herauszufinden, was ich eigentlich wirklich auf den Bildern sehen wollte.
Und wir wollten ein Testfoto machen.
Ich verließ zitternd das Haus.
Je näher ich dem Studio kam, desto stärker wurde dieses Zittern.
Eigentlich verstand ich selbst nicht, warum.
Ich hatte geglaubt, diese Möglichkeit jederzeit nutzen zu können.
Doch nun stand ich direkt davor.
Und plötzlich war da wieder diese riesige Mauer.
Dieser Schritt war sehr viel schwerer, als ich gedacht hatte.
Ich suchte nach Ausreden.
Nach Möglichkeiten, doch noch in meiner Komfortzone bleiben zu können.
Dann bekam ich eine klare, entschlossene Unterstützung.
Sie half mir, eine Grenze zu überschreiten, die ich noch nie zuvor überschritten hatte.
Ich vertraute einem fremden Menschen mein vollständiges Selbst an.
Körperlich geschah eigentlich fast nichts.
Ein Foto entstand.
Na gut — zwei. :)
Aber diese wenigen Momente gaben meiner Seele eine Erfahrung, bei der jede Zelle in mir zu lächeln begann.
So wie bei tiefem Glück.
Als ich das Bild vor mir sah, hätte ich gleichzeitig lachen und weinen können.
Ich sehe mich seitdem tatsächlich anders.
Der Spiegel fühlt sich anders an.
Auch die Meinungen anderer Menschen wirken anders.
Doch vor allem zeigte mir das Gefühl beim Anblick meines eigenen Fotos einen Menschen, den ich vorher nicht kannte.
In mir herrschte vollständiges Chaos.
Ein Teil meiner Seele hätte am liebsten die ganze Welt umarmt.
Gleichzeitig spürte ich eine gewaltige Kraft, die mich von innen auseinanderdrückte — eine Kraft, mit der ich Berge hätte bewegen oder etwas in Sekunden zerschmettern können.
Und ich fühlte:
Ein Teil von mir ist unter dieser Kraft gestorben.
In winzige Stücke zerbrochen.
Eine Angst ist verschwunden.
Ich möchte diese neue Welt kennenlernen, die mir diese wenigen Augenblicke geöffnet haben.
Auf dem Heimweg bewegte sich sogar mein Körper anders.
Leichter.
Weicher.
Feiner.
Fließender.
Diese Kraft brodelte wie heiße Lava in mir und fegte alles weg, was ich nicht mehr brauchte.
Ein klarerer, leerer Raum entstand in mir.
Und ich bekam Lust, genau diesen Raum mit Glück zu füllen.
Als ich am Abend in den Spiegel sah, blickte mir eine Frau entgegen, die ich bisher nicht kannte.
Lange beobachtete ich jede kleine Bewegung ihres Gesichts.
Ihre Augen.
Ich begann, mein vollkommen neues Selbst kennenzulernen.
Und wenn ich darüber nachdenke, was eigentlich passiert ist, klingt die Antwort fast banal:
Etwas hat in mir umgeschaltet.
Heute sehe ich mich als unglaublich schön.
(Das Titelbild dient nur als Illustration.)
Ein gut aufgebautes Porträtshooting verfolgt das Ziel, im Bild echte, selbstbewusste Präsenz entstehen zu lassen.
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