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// Hinter den Kulissen. Ein Foto und die Geschichte dahinter!

20.05. | Die Kunst, in die Zukunft zu sehen!

  • Autorenbild: Bánhalmi Norbert
    Bánhalmi Norbert
  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 9 Stunden

Woche für Woche verwandeln wir uns im Fotoklub ein bisschen mehr in echte James Bonds — und gestern war keine Ausnahme. Diesmal haben wir uns mit den Geheimnissen der unauffälligen Streetfotografie beschäftigt, natürlich auf unsere eigene, leicht verrückte Art. Weit weg vom Schwedenplatz mussten wir dafür nicht: Das sonnige Donauufer liegt nur einen kurzen Spaziergang von unserem Hauptquartier entfernt.

Das Ziel? Die Kunst der Unsichtbarkeit. Spoiler: Es hat mehr oder weniger funktioniert.

Bevor wir loslegten, habe ich ein paar Beispielbilder zur Inspiration gemacht.


  • BANHALMI - BMI Fotoklub Wien
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Die Kunst der „Taschenfotografie“


Die erste Herausforderung bestand darin, die Grenzen des eigenen Smartphones oder der Kamera aus einer völlig neuen Perspektive kennenzulernen.


Die Aufgabe: Beim Gehen fotografieren, während das Aufnahmegerät ganz natürlich in der Hand neben dem Oberschenkel hängt — so, wie man ein Smartphone eben hält, wenn man einfach durch die Stadt läuft.

Ich dachte: kinderleicht. War es nicht.

Es ist ein bisschen wie das erste Mal mit einem Auto mit Handschaltung. Kupplung, Gang, Straße, Drehzahlmesser — und alles gleichzeitig. Hier war es fast genauso kompliziert.

Während unsere „Fotospione“ gingen, mussten sie das Bild vollständig im Kopf komponieren. Die Kamera war bereits auf den gewünschten Bildwinkel eingestellt und musste dann in der herabhängenden Hand so gedreht und geneigt werden, dass das vorgestellte Motiv aus dem bestmöglichen Winkel aufgenommen wurde.

Vielleicht klingt das in der Beschreibung etwas abstrakt. Glaubt mir: Wir haben dabei einige sehr unterhaltsame Körperhaltungen gesehen.

Nachdem wir aneinander den idealen Abstand und Winkel für die „geheime“ Fotografie geübt hatten, kam die nächste Stufe: Geschichten fotografieren.

Die Kamera blieb weiterhin in der abgesenkten Hand. Umgebung, Geschehen und Hintergrund mussten im Kopf analysiert werden. Zunächst arbeiteten wir mit statischen Motiven: Der Fotograf bewegte sich, das Motiv blieb an seinem Platz.

Bewegte „Zielpersonen“


Danach legten wir noch eine Schippe drauf: dynamische Motive.


Wir sollten vorbeifahrende Radfahrer oder laufende Menschen fotografieren, ohne dass die Person erkennbar war. Das brachte einige Köpfe zum Rauchen.


Die meisten lösten entweder zu früh oder zu spät aus, wenn die „Zielperson“ an ihnen vorbeikam. Sie mussten lernen, auch die Reaktionszeit der Kamera einzukalkulieren.

Es reichte nicht, einfach den Moment zu erwischen. Das Bild sollte auch gut aussehen.

Die Stellung der Beine spielte eine Rolle. Der Hintergrund spielte eine Rolle. Wenn der Hintergrund unscharf wurde: Wo sollte dann der Fokus liegen? Und all das, ohne überhaupt auf das Display zu schauen. Das Bild musste zuerst im Kopf entstehen.

Deshalb haben wir einen kleinen Trick eingesetzt: Wir zählten den Rhythmus der Bewegung.

Damit ein Schritt im richtigen Moment eingefroren wird, sollte der vordere Fuß gerade den Boden berühren, während der hintere ihn verlässt. Also zählte jeder für sich: auf den ersten Fuß „eins“, auf den zweiten „zwei“.

Die Person kommt auf dich zu, läuft weiter, und der Fotograf zählt im Kopf. Sobald der Abstand stimmt, wird bei „eins“ ausgelöst. Durch die leichte Verzögerung erwischt die Kamera genau den Moment, in dem der hintere Fuß gerade den Boden verlässt.

Das klingt vielleicht kompliziert. Die Bilder erklären es wahrscheinlich besser.


Die Kunst, in die Zukunft zu sehen


Bei der vorletzten Aufgabe sollten wir eine Situation beobachten, überlegen, was wahrscheinlich als Nächstes passieren wird, und bereits im Voraus entscheiden, aus welchem Winkel und auf welche Weise wir diesen Moment fotografieren möchten. Dann hieß es: Position einnehmen und warten.

Beispiel: Ein gut gelaunter Radfahrer kommt auf dich zu, vielleicht sogar pfeifend. Dir gefällt die Stimmung, also gehst du gedanklich ein paar Sekunden „in die Zukunft“.

Vermutlich wird er an dir vorbeifahren — sofern er nicht spontan die Richtung ändert. Also überlegst du, welchen Hintergrund und welchen Winkel du haben möchtest.

Du wechselst die Position, beobachtest das Geschehen und versuchst, den Bewegungsrhythmus der Person zu verstehen. Du überlegst, welche Körperhaltung im richtigen Moment gut aussehen würde und zählst vielleicht sogar den Takt der Pedalbewegung.

Wenn das Bild in deinem Kopf fertig ist — Winkel, Hintergrund, Stimmung — gehst du an deinen Platz und stellst die Kamera in deiner Hand ein.

Für alle anderen wirkst du einfach wie ein Passant, der lässig sein Smartphone oder seine Kamera in der Hand schwingen lässt.

Wenn du zusätzlich den Serienbildmodus verwendest, stehen die Chancen auf ein wirklich starkes Foto ziemlich gut.

Ein Problem bleibt allerdings: Wenn das Bild so gut geworden ist, dass du es öffentlich zeigen möchtest, und die Person darauf identifizierbar ist, musst du hinterherlaufen, sie ansprechen und dir schriftlich die Erlaubnis zur Nutzung des Bildes holen.

Also lief plötzlich jeder jedem hinterher. :)

Bei unserer letzten Aufgabe waren wir wieder gegenseitig die Modelle.

An den Dienstagen üben wir häufig, etwas scheinbar „Unpassendes“ bewusst in den Bildrand hineinragen zu lassen. Das klingt vielleicht seltsam, aber dahinter steckt ein klarer Effekt: Der Betrachter soll das Gefühl bekommen, selbst mitten in der Szene zu stehen.

Diesmal lösten wir das so, dass wir das Motiv zwischen den Beinen hindurch fotografieren mussten. Es sollte aussehen, als wäre jemand zufällig ins Bild gelaufen oder hineingesprungen — ohne dabei das eigentliche Motiv vollständig zu verdecken.

Stellt euch vor, wie wir hockend oder in seltsamen Verrenkungen zwischen unseren eigenen Beinen hindurch fotografieren. Die Passanten hatten jedenfalls etwas zu lachen.

Nach fast zwei Stunden Fotografie gingen wir zum Abschluss noch zu einem Vortrag von Ágnes Berentés, einer Meisterin der Höhlenfotografie.

Im Vergleich zu unseren kleinen „Spionage“-Abenteuern ist die Höhlenfotografie wirklich eine andere Dimension. Dazu habe ich auch einen persönlichen Bericht geschrieben, den ihr hier lesen könnt.

Nächstes Treffen: 27.05.2025, 17:00–20:00 Uhr. Wenn du Lust bekommen hast, komm vorbei und mach mit.


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