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// Hinter den Kulissen. Ein Foto und die Geschichte dahinter!

11.12. | Das Reich der Spiegelungen: So beginnst du, in Schwarz-Weiß zu träumen (und meidest 50 mm!)

  • Autorenbild: Bánhalmi Norbert
    Bánhalmi Norbert
  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 9 Stunden

Hallo, Lichtjäger und surreale Abenteurer! Hattest du schon einmal das Gefühl, dass die Realität einfach ein bisschen zu ... real ist? 🙄

Dass alltäglichen Szenen dieses seltsame, traumartige, beinahe überirdische Flirren fehlt? Dann willkommen im Club. Heute lernen wir, surreale Bilder zu machen – nicht mit der bequemen „Das richte ich später in Photoshop“-Methode, sondern indem wir schon im Kopf in Schwarz-Weiß denken.

Mach dich bereit. Deinem Gehirn könnte ein wenig schwindlig werden!

Unser Mantra: Meide das Normale!




Werfen wir zuerst jene langweiligen Brennweiten über Bord, die „normal, natürlich und lebensnah“ wirken. Den meisten Fotografen wird empfohlen, irgendwo zwischen 24 und 50 mm zu fotografieren. Wir machen genau das Gegenteil.

Das Abenteuer der extremen Objektive

Ultraweitwinkel-Wahnsinn: Wenn du möchtest, dass der Betrachter sich unwohl fühlt – oder im Gegenteil beinahe in Euphorie gerät –, schnapp dir ein Ultraweitwinkel, etwa ein 16–28 mm F2.8 oder ein 20 mm F1.4. Diese wunderbaren Dinger verbiegen die Geometrie und übertreiben Größe und Bewegung. Es ist, als würdest du eine Karikatur der Welt sehen.

Der Puppenhaus-Effekt: Soll ein Ort dagegen eher wie eine Theaterbühne oder ein Puppenhaus wirken, geh ins andere Extrem und nimm ein langes Teleobjektiv, etwa ein 70–200 mm. Es staucht den Raum und lässt Bewegungen stärker seitlich erscheinen. Mit geringer Schärfentiefe verschwinden zudem große Teile der Szene in Unschärfe – ganz wie in einem Traum.

Die „ein bisschen seltsame“ Bewegung: Probiere einen langen Zoom, während die Kamera selbst an Ort und Stelle bleibt und sich weder vor- noch zurückbewegt. Warum wirkt das surreal? Weil unsere eigenen Augen eine solche Bewegung niemals erleben.

Der Kampf des Lichts: Harmonie zwischen Hell und Dunkel

Licht ist das Rückgrat eines surrealen Bildes. Wenn das fertige Foto schwarz-weiß sein soll, versuche ungefähr gleich viel helle und dunkle Fläche zu schaffen. Denk daran wie an eine Harmonisierung des Lichts.

Verlass deine Gewohnheiten. Ein Fotograf erzählte mir, dass er heute viel bewusster über Licht nachdenkt und häufig am späten Nachmittag oder nachts fotografiert.

Nutze Licht als Chaos

Hot Spots: Beleuchte ein einziges Motiv sehr hell, während der Rest der Szene in tiefem Schatten versinkt. Das Drama ist fertig.

Volumetrisches Licht: Bring Nebel, Dunst oder Rauch ins Bild, damit die Lichtstrahlen sichtbar werden.

Licht-Schatten-Muster: Suche nach Mustern, die entstehen, wenn Licht durch Jalousien, Blätter oder bewegte Elemente bricht. Ja, selbst aus dem Busfenster kann ein surreales Foto entstehen.

Das Spiel des Geistes: Schwarz-Weiß sehen, obwohl die Welt farbig ist

Stell dir vor, du stehst auf einer Straße. Die Schaufenster sind bunt, der Himmel ist blau, und deine Kamera zeigt ein Farbbild. In deinem Kopf läuft aber bereits eine Schwarz-Weiß-Szene aus dem Mexiko-Stadt der 1970er-Jahre – oder aus der Zukunft, oder aus einer seltsamen Mischung aus Vergangenheit und Zukunft.

Genau darum geht es.

Geh hinaus und suche dir ein Motiv, zum Beispiel Schaufenster, aber fotografiere es nicht aus dem üblichen Winkel. Geh in die Hocke. Fotografiere von unten. Oder von oben. Mach alles, was sich „ein bisschen seltsam“ anfühlt.

Ein wichtiger Tipp: Mach nicht unzählige Bilder. Mach eines. Komponiere so lange, bis du genau den Bildausschnitt gefunden hast, den du wirklich willst.




Im Surrealismus steckt eine besondere Ordnung in der Unordnung.

Labor-Hexerei: Snapseed, die Schwarz-Weiß-Maschine

Wenn dein farbiges Traumbild im Kasten ist, darf die Nachbearbeitung eine große Rolle spielen. Öffne Snapseed.

Die kinderleichte Umwandlung

Zieh die Sättigung herunter. Auf Wiedersehen, Farben. Passe den Kontrast an. Passe die Lichter an.

Allein diese drei Regler können bereits ein wunderschönes Schwarz-Weiß-Bild ergeben.

Das Geheimnis des Magiers: Die kräftige Kontur (für dunkle Porträts)

Wenn du ein dramatisches Porträt mit sehr dunklen Tonwerten möchtest, probiere diesen etwas extremeren Snapseed-Trick:

Wähle das Werkzeug Schwarz-Weiß, verwende den Stil Kontrast, helle das Foto leicht auf und gib etwas Kontrast hinzu.

Farbfilter: Wähle einen orangefarbenen Filter – andere sind natürlich ebenfalls einen Versuch wert.

Kurven: Wähle den RGB-Kanal und zieh die Kurve einfach nach unten. Ja, jetzt sind wir endgültig im surrealen Bereich angekommen.

Kontur-Magie: Öffne „Änderungen ansehen“ / „Kurven“ / „Pinsel“ und invertiere die Maske. Nun kommt der Trick: Erhöhe den Prozentwert des Pinsels, um den Effekt zu löschen, und reduziere ihn, um ihn wiederherzustellen. Damit kannst du eine kräftige Kontur um die Person herum aufbauen und dich anschließend von den Rändern nach innen vorarbeiten.

Schlussakkord: Nutze die Vignette und passe die Helligkeit in der Mitte und außen an, um einen kreisförmigen Effekt zu erzielen. Zum Schluss gibst du mit dem Werkzeug Details noch Schärfe und Struktur hinzu.

Collagen und Chaos

Wenn das noch immer nicht reicht, beginnt die digitale Alchemie.

Kompositbilder: Setze zwei Fotos zusammen. Aber Vorsicht: Der Sonnenstand sollte in beiden Bildern übereinstimmen, wenn du den Betrachter davon überzeugen willst, dass sie am selben Ort aufgenommen wurden.

„Malen mit Licht“: Du kannst Farben nachträglich verändern – etwa Lippen röter oder ein Hemd blauer machen – und zusätzlich Licht ins Bild „malen“, um es noch surrealer wirken zu lassen.

Körperteile-Puzzle, oder der Dalí-Effekt: Fotografiere unterschiedliche Gegenstände und baue daraus in Photoshop eine verfremdete Collage. Oder gestalte eine Polaroid-Komposition, bei der Rahmen mit einzelnen Körperteilen vor einem gedämpften grauen Hintergrund angeordnet sind.

Geh hinaus, erkunde die Welt, schau wirklich hin – und wenn sich etwas surreal anfühlt, folge diesem Gefühl.

Es geht darum, dem Betrachter Informationen vorzuenthalten, genau wie in einem Traum.

Viel Freude beim Gestalten – und vergiss nicht: 24–50-mm-Objektive sind das Gefängnis der Realität! 😉


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