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// Hinter den Kulissen. Ein Foto und die Geschichte dahinter!

10.14. | Foto-Geheimagenten-Training: Wo die Dunkelheit dein Freund ist

  • Autorenbild: Bánhalmi Norbert
    Bánhalmi Norbert
  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 9 Stunden




Die geniale Fusion: Brassaï & Bresson – zwei Meister, eine Herausforderung


An diesem Abend hatten wir uns einen besonderen kreativen Prozess vorgenommen: die melancholische, nächtliche Schwarz-Weiß-Stimmung von Brassaï mit den Prinzipien Henri Cartier-Bressons zu verbinden, dem Meister des dynamisch eingefangenen Augenblicks. Unsere Bilder sollten farbig und voller Leben sein – und trotzdem geheimnisvoll wirken.

Der Schlüsselsatz lautete: Bewegungsunschärfe neben scharfen, unbewegten Elementen. Auf gut Deutsch: Das Model steht wie ein Pflock, während im Hintergrund jemand offenbar etwas Lebenswichtiges erledigen muss und nur noch als farbiger Streifen auftaucht.

Wir begannen, mit dem Raum zu spielen, als wäre er ein Bühnenbild:


Der Held (das Model) ist scharf: Die Menge löst sich in Bewegung auf, aber im Gesicht des Models steht: Ich kenne das Geheimnis.

Der Hintergrund spielt die Hauptrolle: Was, wenn eigentlich das Neonlicht im Schaufenster wichtig ist und das Model davor nur einen dezenten menschlichen Akzent setzt?

Der Vordergrund wird zur Bastion: Unscharfe Regentropfen oder die weiche Kante einer Säule rahmen das Bild, während der Rest zum Schärfentiefe-Rätsel wird.

Lichtjagd: Luft anhalten und Fokus fixieren


Es war Nacht, und wir wollten Bewegung sichtbar verwischen. Also bekam die Kamera relativ großzügige 1/15 Sekunde Zeit zum Lichtsammeln. In der Fotografie ist das eine Ewigkeit – genug Zeit, um locker selbst ins Bild hineinzuzittern.

Hier wurde Fotografie zur Kampfkunst:


Körperhaltung: Die Kamera fest an den Körper drücken, als wäre sie ein Teil davon. Der Fotograf als lebendes Stativ.

Atemkontrolle: „Tief einatmen – und beim Auslösen die Luft anhalten!“ Für den perfekten Klick standen wir kurz vor dem Erstickungstod.

Fokus-Trick: Die Kamera auf das Gesicht des Models fokussieren lassen, den Auslöser halb gedrückt halten und dann neu komponieren, damit das Model genau an der richtigen Stelle landet.

Das Kommando der hockenden Fotografen

Der härteste Befehl betraf die Perspektive: „Runter in die Hocke!“


Wir sollten die gewohnte, langweilige Augenhöhe verlassen und tiefer, etwa aus Höhe der Mitte einer menschlichen Figur fotografieren. Man stelle sich die Gesichter der Touristen vor: Eine Gruppe Menschen draußen auf der Straße, alle halten die Luft an, gehen in die Hocke und fotografieren mit vergleichsweise langer Verschlusszeit. Nicht ganz alltäglich.

Dann kam der schwarze Gürtel der Komposition: nur Hochformate und ungefähr gleich viel Raum über und unter dem Model. Dadurch kippen die Wände optisch weniger und das Motiv geht weder in zu viel „Himmel“ noch in zu viel „Boden“ verloren. Das Model kam natürlich auf eine Bildseite, damit auf der anderen die geisterhaften Passanten ihre Hintergrundgeschichte erzählen konnten.

Praktische Zauberei: Gefangen in den Schaufenstern

Die Praxisübung fand rund um die Schaufenster beim Wiener Stephansdom statt.


Mission #1: Dynamisches Nachtporträt. Die Models stellten sich ins Licht eines Schaufensters – eine Gesichtshälfte hell, die andere im Schatten: Charakter! – und die Fotografen versuchten in der Hocke ihre 1/15-Sekunden-Geister einzufangen. Kleine Verwacklung, großer Kampf.

Mission #2: Das Stillleben der Großmeister für zu Hause. Auch das Online-Team kam nicht davon. Aufgabe: Zwei Tassen auf einem Teller stapeln, lange Verschlusszeit einstellen, Kamera fixieren (ein Bücherstapel zählt), dann vor den Tassen eine Serviette fallen lassen und ihre Bewegung fotografieren. Actionkino in der Küche.

Das Verrückteste kam danach: Das fertige Bild sollte in ein KI-Tool wie Gemini oder Photoroom geladen werden, mit der Bitte, daraus ein luxuriöses Werbefoto zu machen. Wer weiß – vielleicht wird aus einer verwischten Serviette noch japanische Keramik.

Zum Schluss bekam jeder eine letzte gnadenlose Wochenaufgabe: Bei jedem Foto bewusst die Oben-Unten-Balance und die Zwei-Drittel/Ein-Drittel-Platzierung anwenden. Vor dem Auslösen außerdem den gesamten Displayrand kontrollieren, damit die Komposition bereits beim Druck auf den Knopf stimmt.

Das Nachtfoto-Kommando zog sich schließlich müde aus der Dunkelheit zurück – mit vom Hocken zitternden Knien und vollen Speicherkarten. Unser persönlicher Stil ist vielleicht noch nicht ganz gefunden, aber wenigstens wissen wir jetzt: Für ein gutes Foto muss man manchmal tatsächlich die Luft anhalten.


  • BMI Fotoklub Wien - Bécsi Magyar Iskola
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