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// Hinter den Kulissen. Ein Foto und die Geschichte dahinter!

05.06 | Was geschah in der Kopfsteinpflastergasse?

  • Autorenbild: Bánhalmi Norbert
    Bánhalmi Norbert
  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 9 Stunden

Nach dem Fotoshooting der vergangenen Woche, das man wohl am besten mit „nun ja, das war auch ein Erlebnis“ zusammenfassen kann, hatte ich das Gefühl, dass es Zeit war, unser Team mit frischen, völlig unbekannten Gesichtern zu erweitern. Natürlich ist „Suchen wir Models“ schnell gesagt — aber wo zum Teufel findet man mitten in Wien gleich eine ganze Gruppe Fremder? Dann kam die Idee wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Warum nicht das Netz in einer der beliebten Facebook-Gruppen für Ungarn in Wien auswerfen? Also schrieb ich, dass unser motiviertes kleines Team Models sucht — unabhängig von Alter, Geschlecht und, seien wir ehrlich, auch von der Figur. Und dann wartete ich.

Ich gebe zu, ein kleiner Teil von mir dachte: „Was, wenn die Kommentare aussehen wie der tiefste Abgrund einer Trollfarm?“ Zum Glück löste der Beitrag aus irgendeinem Grund ausschließlich positive Wellen aus. Fast fünfundzwanzig Menschen meldeten sich. Echte Menschen aus Fleisch und Blut, die bereit waren, bei unserem kleinen kreativen Amoklauf mitzumachen. Für elf passte auch der Termin, und gestern erschienen tatsächlich fünf mutige Models.

Für die motivierten Bewerber richtete ich blitzschnell eine WhatsApp-Gruppe ein, und die Vorbereitung auf den großen Tag begann. Ihre Aufgabe war einfach: sich durch die Tiefen des Internets zu wühlen und Bilder auszuwählen, auf denen sie sich selbst bei einem Shooting vorstellen könnten. Unsere Fotografen lebten währenddessen in glückseliger Unwissenheit weiter und hatten keine Ahnung, welche Überraschungen auf sie warteten.

Dann kam der gestrige Tag. Wie gewohnt versammelten sich ab fünf Uhr die Damen und Herren der Fotokunst im legendären Hauptquartier der Wiener Ungarischen Schule am Schwedenplatz. Ich erklärte ihnen das hehre Ziel und wir besprachen die Taktik „je weniger Auslösungen, desto glücklicher das Model“. Natürlich ahnte ich, dass die von den Models ausgewählten Bilder in Sachen Pose und Stil wahrscheinlich in die Kategorie „Mission: Impossible“ fallen würden. Deshalb bat ich die Fotografen lieber darum, Stimmung und Gefühl der Referenzbilder irgendwie einzufangen. „Irgendwie“ war dabei das entscheidende Wort.

Um sechs Uhr trafen unsere wundersamen, direkt aus Facebook gefallenen Models ein. Die Vorstellungsrunde ließen wir aus; das Ganze erinnerte ein wenig an eine Sitzung der Anonymen Alkoholiker — nur dass in der Ecke Kameras standen. Wir setzten uns in einem großen Kreis einander gegenüber, und jedes Model wählte nach Sympathie, also schlicht nach dem ersten Eindruck, einen Fotografen aus. Die Fotografen mussten vorher natürlich ihr teures Equipment verstecken, damit die Models sie nicht nach der Größe ihrer Kamera beurteilten. Denn bekanntlich gilt: größere Kamera gleich größeres Können … oder eben auch nicht. Überraschenderweise waren die Fotografen mit Brille am beliebtesten. Vielleicht dachte insgeheim jeder: Brille + Fotograf = superkreatives Genie.

Wer kein Model bekam, musste sich notgedrungen mit einem der anderen „verwaisten“ Fotografen zusammentun. Anschließend zogen wir hinaus auf die Kopfsteinpflasterstraße, die schon stumme Zeugin vieler unserer Shootings gewesen war. Die erste Aufgabe bestand darin, die Stimmung eines ausgewählten Referenzbildes in Form eines „Street-Fashion-Fotos“ nachzuempfinden. Die übrig gebliebenen Fotografenpaare sollten einander in einem ähnlichen Stil fotografieren. Anders als beim letzten Mal endete das Shooting diesmal erst dann, wenn der Fotograf sagen konnte: „Ja, ich habe ein Bild, auf dem du meiner Meinung nach wunderschön aussiehst!“ Ich hatte ein wenig Sorge, dass manche Paare die verborgene Schönheit des jeweils anderen vielleicht nicht sofort entdecken würden. Für diesen Fall gab es Plan B: ein Foto von hinten, bei dem das Model eine Bewegung ausführt und Umgebung und Geste gemeinsam eine Geschichte erzählen. Kreativkrise abgewendet.

Nach der ersten Aufgabe durften die Models erneut einen Fotografen wählen. Die Partner wurden gewechselt, und schon kam die nächste Aufgabe: Mit dem neuen Gegenüber sollte dieselbe Stimmung eingefangen werden. Es war spannend zu beobachten, wie unterschiedlich ein und dasselbe Gefühl interpretiert wurde. Inzwischen war die Atmosphäre deutlich lockerer und die Kreativität bekam Flügel.

In der letzten Aufgabe kamen jene Fotografen mit den Models zusammen, die bis dahin leer ausgegangen waren. Ihre Aufgabe bestand darin, die feminine beziehungsweise maskuline Seite des Gegenübers hervorzuholen. Es sollten dezent sexy Bilder entstehen, die trotzdem problemlos in sozialen Medien gezeigt werden können. Besonders wichtig war dabei die Betonung von Details, vor allem wenn ein Model gerade nicht auf dem Höhepunkt seiner Offenheit war. Eine Bewegung, eine Berührung, ein Blick — manchmal reicht genau das. Beim ersten Hören erlitten einige einen kleinen Schock, doch nachdem sich die Paare zurückgezogen hatten, fanden sie erstaunlich schnell einen gemeinsamen Rhythmus und es entstanden wunderschöne Aufnahmen.

Um acht Uhr abends war unsere kleine „Kennenlerntherapie mit Fotos“ vorbei. Im Stiegenhaus hielten wir noch eine kurze Auswertung ab, und plötzlich entstand eine ganz besondere, liebevolle Atmosphäre. Mit großen Umarmungen und viel Dankbarkeit verabschiedeten sich die Menschen voneinander.

Ich beschloss sofort, dieses kleine Wunder künftig alle zwei bis drei Wochen zu wiederholen.

Liebe Leserinnen und Leser, falls ich euer Interesse geweckt habe — egal ob als Fotograf oder als Model — schreibt uns gerne an office@wearebrandart.com.

  • AndreaWettstein | BMI Fotoklub Wien
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  • Denise Trajkovska | BMI Fotoklub Wien
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