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// Hinter den Kulissen. Ein Foto und die Geschichte dahinter!

04.29 | Umgekehrte Naturfotografie

  • Autorenbild: Bánhalmi Norbert
    Bánhalmi Norbert
  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 9 Stunden

Gestern war endlich der Moment gekommen, an dem wir unsere Treffen nicht mehr mit Begriffen wie „Depression nach der Heizsaison“ oder „Ich friere sogar noch im Mantel“ beschreiben mussten. Wir machten uns auf den Weg ins Herz des siebten Wiener Bezirks, der dank Zsuzsi ab sofort offiziell unser kleines „Wiener Soho“ ist. Los ging es in einer Galerie, die für unsere Gemeinschaft ungefähr so wichtig war wie Kaffee zum Frühstück — denn für Oktober zeichnet sich eine ernstzunehmende Ausstellung ab.

Damit dieses grandiose Ereignis nicht in peinlicher Stille und ein paar zufälligen Besuchern endet, mussten wir einige Grundsatzfragen klären. Zum Beispiel: Soll das Ganze ein lockerer „Bringt Freunde und Familie mit“-One-Night-Stand werden, oder nehmen wir die Sache ernst und mieten für längere Zeit einen Ort, den selbst Aristokraten nur im Smoking betreten würden? Das Team entschied sich für die zweite Variante — vermutlich in der Hoffnung, dass wir bis dahin ohnehin alle weltberühmte Künstler sind. Nichts ist unmöglich.

Die nächste Frage war, ob unsere Meisterwerke am Ende der Ausstellung auch den Besitzer wechseln sollen. Die Antwort lautete eindeutig „ja“. Das kann zwei Dinge bedeuten: Entweder setzen wir Preise an, bei denen sich die Besucher ans Herz fassen, oder wir versteigern alles bei der Eröffnung und hoffen, dass unter dem Einfluss des Champagners sogar jemand auf ein Sockenfoto bietet.

Natürlich hatte auch die Anwesenheit der Presse Priorität. Wer möchte schließlich nicht in der Lokalzeitung unter einer Schlagzeile wie „Wochenendtipp: Kommen Sie vorbei und sehen Sie zu, wie die Fotos unserer Freunde an der Wand verstauben“ auftauchen? Auch die Idee eines exklusiven Veranstaltungsortes kam auf. So fiel die Wahl auf eine Galerie im ersten Wiener Bezirk — genau jene, an der der ganze „Vienna Calling“-Wahnsinn ursprünglich in unseren Köpfen entstanden war.

Jetzt beginnt die Terminsuche, die vermutlich ungefähr so aufregend wird wie die Parkplatzsuche in der Innenstadt. Livia wird uns dabei helfen. In den kommenden Monaten beschäftigen wir uns mit Aufgaben, die uns einerseits darauf vorbereiten sollen, freundlich zu lächeln, während ein Auftraggeber gerade unser Lieblingsdetail aus dem Bild herausretuschiert, und andererseits darauf, mit plötzlich gewonnener künstlerischer Freiheit umzugehen — wenn wir einfach schaffen dürfen, was wir wollen, ohne Grenzen und ohne Vorgaben. (An dieser Stelle geraten vermutlich die meisten in Panik.)

Der gestrige Tag stand allerdings ganz im Zeichen des Löwenzahns. Nach der Besichtigung der Galerie machten wir uns auf den Weg in den Volksgarten, wo wir uns die Naturfotografie vorgenommen haben — selbstverständlich in unserem ganz eigenen „Wir machen es anders“-Stil.

Die erste Aufgabe war zum Aufwärmen gedacht: Im goldenen Licht der untergehenden Sonne sollten kleine Details von Blättern an Sträuchern festgehalten werden, wobei das Motiv den Bildrand gerade eben berühren durfte. Drei Bilder waren das Limit, an das sich fast alle hielten. („Fast“ ist hier das entscheidende Wort.) Mein langfristiges Ziel ist, irgendwann an den Punkt zu kommen, an dem ein einziger Klick für das perfekte Bild reicht — bis dahin sind wir wahrscheinlich alle professionelle Paparazzi.

Dann kam der unangenehme Teil, auch bekannt als „Hallo Realität, willkommen beim Moment der Wahrheit“. Ich teilte alle in Paare ein. Die Aufgabe lautete, ein vorteilhaftes und sexy Porträt voneinander zu machen, während das Model gerade einen Löwenzahn wegpustet. Ein echtes Klischee — allerdings mit einer kleinen Wendung: Das Bild war nur dann gut, wenn das Model sagte: „Ich liebe dieses Foto!“ Und genau hier zeigte jeder sein wahres Gesicht. Die Fotografen durften erleben, wie es sich anfühlt, wenn ein Model ganz offen erklärt, dass die Pose, für die der Fotograf innerlich schon mit einem Oscar gerechnet hatte, in Wahrheit aussieht wie ein Zombie, der gerade aufgewacht ist und sich im Spiegel entdeckt. Die fliegenden Löwenzahnsamen mit dem perfekten Gesichtsausdruck und gleichzeitig idealem Licht zu koordinieren, war außerdem ungefähr so anspruchsvoll wie mit Kettensägen zu jonglieren: gefährlich, aber mit etwas Glück überlebbar.

Darauf folgte die „umgekehrte Naturfotografie“. Diesmal ging es nicht darum, wie wir die Welt sehen, sondern wie eine Ameise sie wahrnehmen könnte. Stellt euch einen Menschen vor, der gerade etwas tut — das Foto muss jedoch so komponiert werden, als würde eine Ameise von unten zu ihm hinaufschauen. Nahe Blätter und Grashalme sind scharf, weiter entfernte Elemente verschwimmen. Hier bekam die Kreativität wirklich Flügel, zumal ich noch eine zusätzliche Bedingung einbaute: Im Bild musste Platz für einen Text bleiben, der später hinzugefügt werden sollte.


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  • Kondits Zoltán | BMI Fotoklub Wien
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